Unerwartete Vaterschaften

Unexpected Dividends

von Carolyn Fulton
ins Deutsche übersetzt von Sugambra

Anmerkung der Autorin: Diese Geschichte habe ich geschrieben, bevor irgendwelche Details über bajoranische Schwangerschaften bekannt wurden, wie z. B., dass die Frauen niesen müssen anstatt sich zu übergeben usw. Vielleicht komme ich eines Tages noch einmal darauf zurück, vielleicht aber auch nicht - es ist irgendwie so lustig, eine Geschichte damit zu beginnen zu können, dass jemand den Kopf in die Kloschüssel steckt.


Es ist wirklich interessant, wie anders sich der Türsummer anhört, wenn der Klang von den Wänden einer Toilettenschüssel widerhallt, dachte sie müde. Kira Nerys stolperte auf ihre Füße, wusch sich schnell ihr Gesicht und zwang ihren aufmüpfigen Magen zum Gehorsam, bevor sie in den Hauptwohnraum ihres Quartiers zurückkehrte und "Herein!" rief.

Die Tür öffnete sich mit einem "swuusch" und gab den Blick frei auf Constable Odo, mit einem Datenpadd in den Händen. Er begrüßte sie mit seiner gewohnten Zurückhaltung - einer Zurückhaltung, die in letzter Zeit noch ausgeprägter geworden war.

"Guten Morgen, Major. Sie hatten mich ersucht, Ihnen diese Berichte vorbeizubringen, bevor wir nachher nach Bajor aufbrechen würden."

"Das stimmt - hatte ich ganz vergessen. Kommen Sie 'rein, Odo." Einerseits wünschte sich Kira nichts so sehr, wie allein zu sein. Aber andererseits sah sie Odo so selten dieser Tage, eigentlich nur dann, wenn sie per Zufall in einer größeren Gruppe von Leuten in einem Raum zusammenkamen, dass es unmöglich schien, eine solch kostbare Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen. Kira nickte in Richtung eines Sessels. "Setzen Sie sich doch - ich wollte gerade frühstücken, und Sie können mir Gesellschaft leisten, während ich einen Blick darauf werfe." Sie nickte in Richtung des Padds, das er immer noch umklammert hielt.

Odo setzte sich zögerlich, offensichtlich fühlte er sich unbehaglich. Kira blickte ihn besorgt an. "Odo, geht es Ihnen gut? Sie sind in der letzten Zeit so - zurückhaltend."

"Mir geht es gut, Major - ich war sehr beschäftigt, das ist alles."

Kira war keineswegs überzeugt, entschied sich aber, es durchgehen zu lassen. Sie ging hinüber zum Replikator und bestellte nach einigem Überlegen trockenen Toast und Ingwertee. Odo musterte neugierig den Inhalt ihres Tellers, als sie ihn auf den Tisch stellte.

"Ein bisschen wenig, nicht?" fragte er. Kira war berüchtigt für die Mengen, die sie zum Frühstück vertilgte, genauso wie dafür, dass sie dann häufig vergaß, während des weiteren Verlaufs des Tages überhaupt noch etwas zu sich zu nehmen.

Kira lächelte Schulter zuckend. "Kein Hunger, das ist alles." Vorsichtig knabberte sie an einem Bissen Toast, ohne dass das schlimme Auswirkungen zeigte. "Ich freue mich auf den Flug nach Bajor, Constable", fügte sie hinzu. "Wann wollten wir noch mal aufbrechen?"

"Ich hatte unseren Abflug für 9 Uhr vorgesehen, vorausgesetzt, das passt Ihnen."

"Das geht in Ordnung. Was haben Sie eigentlich vor? Eine weitere Sicherheitskonferenz?"

"Ich fürchte, ja. Ich weiß nicht, wie ich für Sicherheit sorgen soll, wenn ich die Hälfte meiner Zeit damit verbringe, darüber zu reden."

Kira ging daran, ein zweites Mal vom Toast abzubeißen. So weit, so gut... Sie hob die Teetasse an ihren Mund, und als ihr der Duft in die Nase stieg, musste Kira Nerys kapitulieren. Während sie keuchend eine Entschuldigung hervorstieß, raste sie in Richtung Bad.

Verlegen und rotgesichtig kehrte sie schließlich zurück und fand Odo mit besorgter Miene an der Tür stehend vor. "Major, geht es Ihnen gut? Soll ich Dr. Bashir rufen?"

Kira lachte humorlos in sich hinein. "Keine Sorge, er weiß schon Bescheid." Sie lächelte Odo, der immer noch besorgt drein blickte, beruhigend an. "Mir geht's prima." Sie hielt inne. "Ich bin bloß schwanger."

"Oh."

Kira war sich nicht sicher, ob sie jemals erlebt hatte, dass Odo so vollkommen sprachlos war.

Endlich meinte er versuchsweise: "Sollte ich Ihnen gratulieren?"

Kira lachte. "Das weiß ich noch nicht genau. Stellen Sie mir diese Frage auf dem Rückweg von Bajor, nachdem ich es Edon erzählt habe."

"Weiß er es denn noch nicht?" Odo klang befremdet.

"Noch nicht. Ich habe es selbst erst gestern herausgefunden."

"Aber -" Odo zog sich in seine Verwirrung zurück, und ein peinlich berührter Ausruck huschte über sein Gesicht. Schließlich fragte er: "Wissen Humanoide denn nicht - wenn so etwas passiert?"

"Nun, wir wissen schon, was es geschehen lässt." Kira schenkte ihm ein amüsiertes Lächeln. "Wir wissen allerdings nicht immer, wann es 'klappt', wenn Sie wissen, was ich meine - das tun Sie doch, oder?" Kiras Lächeln verblasste, als ihr der Gedanke kam.

"Ich weiß, welcher Akt bei der humanoiden Fortpflanzung eine Rolle spielt, Major - im Rahmen meiner Pflichten habe ich sogar mehrere Ihrer eigenen Spezies festgenommen, weil sie es auf der Promenade getan haben." Odos Gesicht, normalerweise so ausdruckslos, spiegelte seinen Abscheu wider. Kira fühlte sich plötzlich unbehaglich, und sie hatte das sonderbare Gefühl, zu einer minderen Sorte Lebensform zu gehören. Odo bemerkte ihre Miene und fügte hastig hinzu: "Ich will damit nicht sagen, dass - ich bin sicher, dass es eigentlich - ich meine, es hört sich nicht wie etwas an, dass man auf der Promenade tun sollte, das ist alles. Es scheint mir, dass es sehr - privat sein sollte."

"Also, ja, " stimmte Kira zu, "das ist auch meine Meinung." Sie schüttelte den Kopf. "Es tut mir Leid, Odo - Sie müssen denken, dass wir alle verrückt sind wegen unserer - humanoiden Paarungsrituale."

Odo musterte sie ernst. "Einige von ihnen hören sich - interessant an."

"So kann man es auch ausdrücken", grinste Kira.

"Es ist nur so, dass -" Odo hielt inne. Man konnte ihm ansehen, dass er überhaupt nicht in seinem Element war.

"Fahren Sie fort", ermutigte Kira ihn. "Odo, Sie sind mein Freund, es wird mich nicht in Verlegenheit bringen. Was wollen Sie also wissen?" Bei den Propheten, ich hoffe, dass es mich nicht in Verlegenheit bringen wird, verbesserte Kira sich stumm.

"Es ist so, dass - wissen Sie denn nicht, was Ihre Zellen machen?"

Kira starrte ihn mit leerem Gesichtsausdruck an. "Meine Zellen?"

"Ihre Körperzellen."

"Sie meinen jede einzelne für sich?"

Odo nickte.

"Nein." Kira schüttelte den Kopf angesichts der Ungeheuerlichkeit dieser Idee. "Wieso - wissen Sie das denn?"

"Ich überwache meine Körperzellen zwar nicht durchgehend, aber ich würde es mit Sicherheit wissen, wenn eine von meinen sich vereinigen würde mit einer Zelle von - einem anderen Lebewesen. Oder wenn eine mich verließe um - so etwas zu tun." Odo stockte. Offenbar erinnerte er sich gerade daran, um welche Art von Vereinigung es sich in Kiras Fall handelte.

Kira lächelte. "Wir sind nicht in der Lage, unsere so genau zu überwachen. Und daher - werde ich heute Abend dem Premierminister diese Neuigkeit überbringen."

"Ich verstehe." Odo schien sich plötzlich in sich zurückzuziehen. Dabei nahm er Kiras engen Freund mit sich und ließ nur den Kollegen zurück. "Nun, ich muss noch Einiges erledigen, bevor wir aufbrechen - wir sehen uns dann am Andockring Fünf um 9 Uhr, Major." Odo drehte sich um und ging, etwas sehr plötzlich, wie Kira meinte.

Für jemanden ohne Sexualität wird Odo ganz schön verlegen, wenn andere Leute anfangen, die ihre zu zeigen, dachte Kira plötzlich verwirrt. Dann griff sie geistesabwesend nach ihrer Teetasse - mit dem Ergebnis, dass alle Gedanken an Odos absonderliche Einstellung verflogen, während Kira selbst wiederum in Richtung Badezimmer flog.

Vielleicht haben Wechselbälger ja doch die bessere Methode...

space

Odo hasste Sicherheitskonferenzen. Ganz besonders hasste er bajoranische Sicherheitskonferenzen, obwohl die von der Sternenflotte fast genauso schlimm sein konnten. Bei der Sternenflotte konnte er allerdings zumindest von einem ungefähr gleichen Wissensstand und einer übereinstimmenden Vorstellung über der Vorgehensweise ausgehen - wenn er mit bajoranischen Sicherheitsbehörden zu tun hatte, wusste er nie, was auf ihn zukam, außer, dass jedes Treffen sicher lang und höchstwahrscheinlich laut werden würde. Wie es eine solche Vielzahl von heißblütig vorgetragenen Meinungen geben konnte bei einem so klar umrissenen Thema war Odo schleierhaft. Insgeheim fragte er sich, ob nicht am Eingang womöglich geknobelt würde um zu sehen, welches sonderbare, neue, unlogische Detail der Vorgehensweise man bei diesem Treffen würde erörtern können.

Es gelang ihm nur, das Ganze mit einem gewissen Maß an Gleichmut durchzustehen, weil er seinen Verstand lediglich mit den Punkten beschäftigte, die relevant zu sein schienen - es gab einige Individuen, die völlig auszublenden er gelernt hatte, so dass sie ihn mittlerweile nicht mehr belästigten als das Summen von Insekten. Dann wanderte sein Verstand zu Angelegenheiten, die er für wichtiger hielt - und wie sehr er auch immer versuchte, nicht an sie zu denken und sie an einen Platz in seinem Leben zu schieben, an dem sie nicht von Wichtigkeit wäre, wanderte er in diesem Fall zu Kira Nerys und daran, was sie wohl gerade machte, während die Sicherheitskonferenz sich weiter herumzankte.

Glücklicherweise waren das Haus des Premierministers und die bajoranische Sicherheitszentrale nur ein paar Blocks voneinander entfernt, so dass Odo und Kira zusammen hatten landen und vereinbaren können, sich später am Shuttle-Hafen zu treffen. "Keine Transporter für mich", hatte Kira fröhlich verkündet, "wenigstens nicht für eine Weile." Ihre Hand hatte sich unwillkürlich zu ihrem Bauch bewegt, der, soweit Odos scharfe Beobachtungsgabe erkennen konnte, unverändert war. Er hatte zugesehen, wie Kira wegging und sich auf einen Anfall des alten, vertrauten Schmerzes gefasst gemacht.

Das Innere des Shuttles war dunkel, als Odo endlich zurückkehrte - ich muss zusehen, ob Kira einen Teil des Rückfluges steuern kann, dachte Odo. Das verdammte Treffen hat so lange gedauert, dass ich in weniger als zwei Stunden anfangen muss, zu regenerieren. Die Lichter wurden nicht aktiviert, als er das Shuttle betrat, daher befahl er automatisch Beleuchtung - und bemerkte Kira, die zusammengesunken in einem der hinteren Sitze kauerte. Odo machte voller Besorgnis einen Schritt auf sie zu.

"Major", versuchte er. Als sie nicht auf ihn reagierte, fuhr er fort: "Geht es Ihnen gut?"

Kira schüttelte in heftiger Verneinung den Kopf. Endlich sagte sie: "Lassen Sie uns machen, dass wir hier wegkommen, ja?"

"Ich werde einen Kurs auf DS 9 eingeben", sagte Odo ruhig. Es setzte sich an die Navigationskonsole, und seine Finger flogen über die Eingabe-Padds.

"Danke, Odo." Odo hörte das leise Rascheln von Kiras Bewegungen, als sie aufstand und sich langsam zum Sitz neben ihm bewegte. Odo blickte sie nicht an, während er gelassen fragte: "Was ist passiert? War der Premierminister - nicht erfreut?"

"Der Premierminister weiß es immer noch nicht."

Das brachte Odo dazu, Kira erschrocken anzusehen. Sie fuhr fort: "Edon hatte mir alle seine Sicherheits-Zugangscodes gegeben, als ich das letzte Mal hier war, damit ich ihn überraschen könnte, wenn ich das nächste Mal käme. Ich schätze, er hat nicht erwartet, dass ich ihn beim Wort nehmen würde."

"Was ist passiert, Kira?"

"Nicht viel - ich habe ihn mit einer Abgeordneten aus der Vedek-Versammlung im Bett vorgefunden." Kira lachte humorlos über den nicht beabsichtigten Witz. "Ich schätze, er wollte sie dazu bringen, besonders hart zu arbeiten, die Unterstützung der Vedeks zu bekommen, wenn dieses neue Getreidegesetz verhandelt wird."

"Ich verstehe." Odo beschränkte sich auf ein Minimum an Worten, da er wusste, dass es nichts Tröstendes oder auch nur Nutzvolles gab, das er hätte sagen können. Er überprüfte einfach ein paar Anzeigen auf seinem Kontrollpult, bevor er sich Kira zuwandte und ihr seine volle Aufmerksamkeit widmete. "Was werden Sie tun?"

Kira zuckte die Achseln. "Ich schätze, ich werde ein Baby bekommen." Sie biss sich fest auf die Unterlippe, so dass ihr Mund zu einer dünnen, harten Linie wurde. Odo streckte langsam seine Hand aus durch den Zwischenraum, der sie trennte und legte sie auf ihren Arm.

"Ich werde - Ihnen helfen soweit ich irgend kann. Ich hoffe, das wissen Sie."

Kira schaute ihn an, und ihre Miene entspannte sich ein kleines bisschen. "Ich war mir nicht sicher", gestand sie. "In letzter Zeit schienen Sie ganz schön weit weg zu sein."

"Das tut mir Leid." Odo begann, seine Hand wegzuziehen. Kira jedoch bedeckte sie mit ihrer Hand und hielt sie fest an sich gepresst. Sie hielt sie nur einen winzigen Moment lang, aber Odo empfand diese kurze Berührung wie eine Brandwunde auf seiner Haut.

"Sie sind der beste Freund, den ich habe", sagte Kira einfach. "Es hat mir einen Schrecken eingejagt, als ich dachte, ich würde Sie verlieren."

"Nein - Sie haben mich nicht verloren." Wie habe ich mir bloß eingebildet, ich könnte mich einfach abwenden und aufhören, dich zu lieben? überlegte Odo. Wenigstens kann ich es jetzt nicht - jetzt, wo du mich vielleicht brauchst.

Sorgfältig überprüfte er nochmals seine Kontrollen, während das Shuttle durch die endlose Nacht flog.

space

Einige Frauen blühen auf, wenn sie dabei sind, Mutter zu werden. Bei Kira Nerys war es mehr wie eine Eruption. Sowohl die Offiziere als auch die Mannschaftsmitglieder fingen an, die Ankunft des Turbolifts zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser, wenn es Zeit für Kiras Dienstbeginn war. Ihr berüchtigtes Temperament, zu keiner Zeit ihre liebenswerteste Eigenschaft, nahm schneller und in größerem Maße zu als ihre Taille.

Als die Nachricht über ihren Zustand schließlich eine gewisse interessierte Person auf Bajor erreicht hatte, war Shakaar umgehend auf der Station erschienen - und war stehenden Fußes wieder seiner Wege geschickt worden, mit noch von Kiras eher weniger herzlichem Empfang klingenden Ohren. Ein Gerücht besagte, dass der Premierminister auch ein blaues Auge abbekommen hatte, obwohl niemand sicher war, ob das der Wahrheit entsprach oder lediglich ein Produkt von Quarks fruchtbarer Fantasie war.

Schließlich, nachdem Kira in einem derartigen Wutanfall explodiert war, dass Miles O'Brien vorschlug, man solle roten Alarm geben, hatte Captain Benjamin Sisko genug. Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf und bellte: "Major! In mein Büro, SOFORT!"

Als Kira erst einmal dort war, gelang es ihr, mit einer Entschuldigung herauszuplatzen. "Ich bitte um Verzeihung, Captain. Ich war ein bisschen daneben."

"Ein bisschen daneben?" Sisko starrte sie an. "Major, in den letzten vier Monaten waren sie ein wandelnder Warp-Kern-Bruch! Ich weiß nicht, ob das Problem emotionaler oder hormoneller Art ist, aber Sie sind ganz sicher nicht dienstfähig! Und ich befreie Sie hiermit vom Dienst, bis dass Ihr Baby da ist!"

"Mich vom Dienst befreien?" Kira starrte ihn an. "Captain, das Baby soll erst in frühestens zwei Monaten kommen!"

"Dann sollten Sie wenigstens genügend Zeit haben, sich darauf vorzubereiten."

"Aber - aber -" Kira starrte ihn hilflos an. "Was soll ich die ganzen zwei Monate lang tun?"

"Da gibt es alles Mögliche. Sie könnten lesen. Sie könnten - Ihr Quartier umdekorieren."

"Umdekorieren." Kira starrte ihn mit gerunzelten Brauen an.

"Suchen Sie einen Namen aus - entscheiden Sie sich für eine Entbindungsmethode. Brüten Sie - aber tun Sie es irgendwo anders als auf der Ops! Also, das wäre dann alles! Ich werde Commander Dax später in Ihr Quartier schicken, damit Sie sie über die augenblickliche Lage in Ihrer Dienstschicht unterrichten können." Sisko machte eine Pause. "Wegtreten, Major."

Kira starrte Sisko an und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, biss sich jedoch schließlich auf die Lippe. "Captain", sagte sie kurz, drehte sich um und verließ seinen Dienstraum. Sie blieb nicht stehen, bevor sie die Ops verlassen und den Weg über die Promenade zum Sicherheitsbüro zurückgelegt hatte, wo Odo ruhig dasaß und einen seiner zahllosen Berichte bearbeitete.

"Major." Er blickte mit einem winzigen Lächeln im Gesicht auf, als sie sich näherte. Kira fiel plötzlich ein, dass Odo einer der Wenigen war, die auch in letzter Zeit noch ehrlich froh aussahen, sie zu sehen. "Was kann ich für Sie tun?"

Kira ließ sich in den üblichen Sessel sinken, allerdings nicht mit ihrer üblichen Grazie. "Ich bin gerade für den Rest der Schwangerschaft vom Dienst befreit worden. Odo, was soll ich bloß in den zwei Monaten machen?!" Kira funkelte ihn empört an. "Ich kann doch wohl kaum in meinem Quartier sitzen und stricken!"

Odo genoss die besondere Auszeichnung, diejenige Person zu sein, die Kira ungestraft anmeckern konnte, da er immun gegen ihr Temperament zu sein schien. "Nun", schlug er milde vor, "Sie könnten mir bei meinen Berichten helfen. Das wäre nicht allzu anstrengend, und ich könnte die Unterstützung wirklich gebrauchen."

"Ihre Berichte."

"Genau das habe ich gesagt."

"Papierkram."

Odo nickte.

Kira sah aus, als wolle sie schon protestieren, entschied sich dann jedoch plötzlich zum Einlenken. "In Ordnung", gab sie nach, "es ist allemal besser als gar nichts." Sie hievte sich aus dem Sessel. Ihr zierlicher Knochenbau war ganz klar nicht die ideale Konstruktion für die Anforderungen, die zur Zeit an ihn gestellt wurden. "Wann möchten Sie, dass ich anfange?"

"Für heute ist es etwas spät - wie wäre es mit Morgen früh?" Odo lächelte. "Wenn Sie sich um 8 Uhr hier mit mir treffen, können wir über einer Tasse Raktajino erörtern, um was es im Einzelnen geht."

"Hört sich gut an." Kira nickte. Als sie sich umdrehte, um zu gehen fügte sie hinzu: "Sehe ich Sie heute Abend?"

"Selbstverständlich."

Odo beobachtete sie, während sie ging. Dabei machte er sich nicht die Mühe, den Ausruck, der über sein Gesicht huschte, sobald sie ihm den Rücken zukehrte, zu verbergen. Es war eine Mischung aus Zufriedenheit und Verzweiflung, Sehnsucht und so tiefer Freude, dass es einen bestimmten Ferengi, der auf seinem Weg in Odos Büro an Kira vorbei kam, dazu brachte, stehenzubleiben und zu glotzen.

Odo lenkte schnell seine volle Aufmerksamkeit auf das Padd in seiner Hand. Quark legte die wenigen noch verbliebenen Schritte ins Büro zurück und schüttelte den Kopf.

"Ich dachte, Sie hätten beschlossen, sich um Ihr eigenes Leben zu kümmern", bemerkte Quark.

"Das hatte ich auch." Odo fuhr fort, mit kleinen, präzisen Berührungen Daten einzugeben. "Aber mein Leben ist dazwischen gekommen."

"Was glauben Sie wird passieren, wenn sie endlich dieses Baby hat?"

"Ich nehme an, sie wird anfangen, es aufzuziehen."

"Ich sage Ihnen, was passieren wird - sie wird sich wieder mit Shakaar vertragen, nach Bajor ziehen, und Sie werden sie vielleicht zweimal im Jahr sehen, wenn Sie Glück haben! Und ich hoffe doch, dass Sie dieses Mal nicht vorhaben, Ihr Quartier auseinanderzunehmen!"

"Was sollte Sie das kümmern? Der Fußboden ist jetzt schalldicht."

"Toll!" Quark warf die Hände hoch. "Aber lassen Sie nicht zu, dass es wieder die Ausübung Ihrer Arbeit beeinträchtigt, in Ordnung?"

"Ich werde mich bemühen, den hohen Standard der Strafverfolgung, an den Sie sich gewöhnt haben, aufrecht zu erhalten, Quark." Odo grinste schadenfroh über die plötzlich bestürzte Miene des Ferengi.

"Klasse! Sehen Sie nur zu, dass Sie das auch schaffen, " brummte Quark. Dann platzte er heraus: "Sie sind jeden Abend in Ihrem Quartier. Stunden lang. Sie ist mittlerweile so groß wie ein ganzer Frachtraum - es ist ja nicht so, als könnten Sie -" Quark geriet etwas ins Stocken, als er Odos plötzlich gefährlich starren Blick sah. "Was machen Sie also? Worüber unterhalten Sie sich?"

"Ich möchte damit nicht andeuten, das ginge Sie in irgendeiner Weise etwas an, Quark, aber für den Fall, dass Sie vorhatten, etwas besonders "Farbenfrohes" für Ihre Kundschaft zu erfinden - der Major und ich unterhalten uns über Sicherheitsberichte. Manchmal unterhalten wir uns über das Baby. Manchmal reden wir gar nicht - wir hören Jazz von der Erde, und ich massiere ihren Rücken."

Quarks Augen weiteten sich. "Ihren Rücken."

"Die Schwangerschaft belastet ihren Rücken sehr. Es hilft, wenn jemand ihn abends massiert." Odo wünschte sich plötzlich, er hätte die Rückenmassagen aus seiner Aufzählung herausgelassen. Dennoch fügte er, in der Hoffnung, mit Unverfrorenheit durchzukommen, hinzu: "Auch ihre Füße massiere ich manchmal. Die bereiten ihr ebenfalls Probleme."

"Aber - Odo -" Quark schien völlig außer sich zu sein. "Worin liegt da der Profit?! "

"Es gibt keinen." Odo gab das freimütig zu. "Aber ich genieße es, meine Zeit mit ihr zu verbringen. Also, gab es etwas, wobei ich Ihnen behilflich sein könnte?"

"Oh." Quark wandte sich wieder dem Tagesgeschäft zu. "Ehrlich gesagt, Sie sind so viel mit dem Major zusammen - haben Sie irgend etwas, das Sie mir mitteilen könnten für - für die Babywette?"

"Die 'Babywette'."

"Ich habe eine Wette am Laufen - Gewicht, Geschlecht, Geburtsdatum - so was ist gar nicht ungewöhnlich. Sogar die Menschen mögen Babywetten. Ich dachte nur, Sie hätten vielleicht irgendwelche Informationen darüber, was es wird - wann genau der errechnete Geburtstermin ist -"

Odo stand lächelnd auf. "Wenn ich Informationen habe, " versicherte er Quark, "werde ich selbst darauf wetten. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden..."

Seinen ersten Halt machte er in seinem eigenen Quartier, wo er sorgfältig ein Buch auswählte. Den zweiten Halt machte er in dem boleanischen Restaurant, wo er eine vorher aufgegebene Bestellung in Empfang nahm. Schließlich erreichte er Major Kiras Quartier, wo er den Verschlusscode eintippte und sich selbst hineinließ.

"Kira?" rief er.

"Hier!" Die gereizte Stimme kam aus Richtung Bad. Ein paar Augenblicke später betrat Kira den Hauptwohnraum. Sie sah verärgert und verspannt aus. "Ich überlege, ob ich das Bett da hineinstellen soll", sagte sie böse.

"Ich habe Ihnen Abendessen mitgebracht", erklärte Odo ihr ruhig und arrangierte seine Ausbeute auf dem Tisch. "Kommen und essen Sie."

Kira kam an den Tisch und lächelte. "Sie haben gehört, wie ich gesagt habe, dass boleanisches Essen das Einzige ist, auf das ich Appetit habe. Odo, Sie sind so gut zu mir." Kira streckte die Arme aus und umarmte ihren Freund impulsiv. Das machte sie häufig in letzter Zeit, und Odo hatte gelernt, es mit Würde über sich ergehen zu lassen. Er beobachtete sie mit sanft glänzenden blauen Augen, während sie sich niederließ. Dann setzte er sich neben sie und legte das Buch, das er mitgebracht hatte, vor sich auf den Tisch.

"Was lesen Sie da?" erkundigte Kira sich zwischen bei Bissen.

"Henry David Thoreau", antwortete Odo kurz. "Eine Art menschlicher Philosoph aus dem neunzehnten Jahrhundert."

"Ist er gut?"

"Er war ein großer Verfechter der Einfachheit. Er war dafür, Dinge abzuschaffen, die eigentlich im Leben überflüssig sind."

"Oh." Kira bedachte diese Idee ziemlich niedergeschlagen. "So wie unsere Treffen Dienstagmorgens, schätze ich."

Odo riss sich zusammen, als er die subtile Veränderung in Kiras Stimme hörte. Er hatte ihre hormonellen Stimmungswechsel während der letzten Monate überstanden, und er wusste, dass der Sturmausbruch nun unmittelbar bevorstehen musste.

"Wie konnten Sie mich nur einfach so - ausschließen?" Kira starrte ihn über den Tisch hinweg an. Ihr Abendessen war vergessen. "Warum haben Sie das bloß getan?!"

Odo senkte den Kopf vor dem Angriff. "Ich kann es nicht erklären - ich glaube nicht, dass Sie es verstehen würden."

"Toll. Jetzt bin ich also auch noch blöd." Kira stand ruckartig auf und zuckte zusammen. "Verdammt!"

"Geht es Ihnen gut?" Odo stand ebenfalls auf. Das Buch lag vergessen auf dem Tisch.

"Nein. Mir geht es überhaupt nicht gut!" Kira kochte. "Mein Rücken tut weh - meine Füße tun weh - meine Knöchel haben den Umfang einer Jeffries-Röhre - von zwei Jeffries-Röhren! -- Ich habe die Masse eines Hauses und ich habe Angst, okay? Daher, nein, mir geht es nicht gut!" Kira drehte sich auf den Fersen und um stakste zur Couch, auf die hinab sie sich manövrierte.

Odo folgte ihr langsam. "Möchten Sie, dass ich Ihren Rücken massiere?" fragte er leise.

Kira seufzte auf. Ihr Ärger schien verraucht. "Ja bitte", sagte sie kurz. Sie setzte sich mit dem Rücken zu Odo, zog sich ihr Oberteil über den Kopf und hielt es dann schamhaft an sich gedrückt. Vorher wurde jedoch dem Formwandler, der neben ihr stand, ein flüchtiger Blick auf ihre nackten Brüste gewährt. Odo setzte sich hinter sie und legte vorsichtig seine Hände in Kiras Kreuz. Er ließ ihre Substanz sich wandeln und soviel von der angespannten Haut bedecken wie möglich. Kira seufzte leise und sagte:

"Das fühlt sich so gut an. Ich wünschte mir - oh, ich weiß auch nicht, ich wünschte mir, ich könnte einfach in eine Wanne klettern und Sie das überall bei mir machen lassen."

Odo hielt inne angesichts der Wucht des mentalen Bildes. Kira bemerkte, dass er stockte.

"Odo, das sollte ein Witz sein - nun, vielleicht nicht ganz, aber ich erwarte nicht im Geringsten, dass Sie sowas tun würden. Es ist schon in Ordnung."

"Es tut mir Leid, dass Sie so verspannt sind." Er fuhr fort mit seiner sanften Behandlung ihres Rückens.

"Wissen Sie, was einem keiner erzählt über die Schwangerschaft?" fragte Kira.

"Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich weiß, was man Ihnen erzählt", bemerkte Odo. "Also was erzählt man Ihnen nicht?"

"Ich schätze, alle diese Autoren gehen davon aus, dass man - mit jemandem zusammen ist, wenn man schwanger ist. Sie sagen nichts darüber, wie - unheimlich erregt man werden kann - und wie sehr man sich einfach nur wünscht, im Arm gehalten zu werden."

"Erregt", sagte Odo langsam. "Sie meinen - sexuell."

Kira nickte. "Das ist ein Teil davon. Ich glaube, ich würde mich schon begnügen mit jemandem, der mich einfach nur im Arm hält."

Odo zwang sich, die erste Antwort, die seinem Mund zu entschlüpfen drohte, zurückzuhalten. Statt dessen sagte er: "Es tut mir Leid, Kira. Kein Wunder, dass Sie so -" Odo hielt feinfühlig inne und suchte nach einem Wort.

"Biestig bin?"

"Das wäre eine - angemessene Wortwahl", pflichtete Odo bei.

Kira lachte plötzlich auf und zog sich ihr Oberteil wieder an. Dann drehte sie sich um, legte ihre Arme um ihren Freund und umarmte ihn fest. Odo ließ seine Arme sanft um sie gleiten, schob sowohl Vorsicht als auch Logik und Voraussicht beiseite und hielt sie an sich gedrückt. Kira kuschelte mit einem Seufzer ihren Kopf an seine Schulter.

"Ich könnte mir keinen besseren Freund als Sie wünschen", sagte sie einfach. "Ich hab' Sie lieb, Odo."

Obwohl man Kira nie als besonders scharfsinnig bezeichnen konnte, wenn es um Herzensangelegenheiten ging, und obwohl sie darüber hinaus gerade hormonell bedingt behindert war, konnte ihr doch die plötzliche, zuckende Anspannung nicht entgehen, die durch den Körper ihres Freundes schoss. Odo befreite sich von ihr so schnell er konnte, ohne dass es völlig abrupt wirkte.

"Es ist schon spät, Major - Sie sollten sich jetzt besser ausruhen." Odo kam hastig auf die Füße. "Wir treffen uns morgen im Sicherheitsbüro."

"In Ordnung", sagte Kira leise.

Odo war schon fast an der Tür angelangt, als er sich an sein Buch erinnerte. Er drehte sich wieder zum Tisch, um es zu holen und warf dabei der Frau auf dem Sofa einen verstohlenen Blick zu. Und erstarrte auf der Stelle.

Kira lag auf der Seite im Sofa, fast in der gleichen Position wie das Kind in ihrem Leib. Sie hatte die Arme um sich geschlungen und wurde von stummem Weinen erschüttert. Odo fühlte sich völlig hilflos. Er hatte sie noch nie weinen gesehen.

"Kira..." Odo bewegte sich zu ihr zurück. Kira wälzte sich auf die andere Seite, so dass sie ihm den Rücken zukehrte. Ihre Schultern hoben und senkten sich mit ihren Schluchzern. Odo setzte sich neben sie auf die Couch. Nach einem Moment des Überlegens streckte er sich neben Kira aus, so dass sein Körper sich auf ganzer Lange an ihren schmiegen konnte. "Es ist schon gut", flüsterte er. "Ich bin ja da." Er legte seinen Arm um sie herum und ließ seine Hand versuchsweise auf der gewölbten Rundung ihres Bauches ruhen. Seine Finger umfuhren langsam seine Konturen. Kira bedeckte seine Hand mit ihrer und hielt sie fest an sich gepresst, bis ihre Tränen endlich versiegten.

Eine lange anhaltende Stille entstand, während derer Odo sich langsam entspannte und seine Sensoren auf die Details von Kiras Körper und des neuen Lebens richtete, das lebhaft in ihr strampelte. Er streichelte ihren Leib fast gedankenlos, bis die Bewegungen unter seiner Hand nachließen. Kira seufzte.

"So ruhig war es schon seit Tagen nicht mehr, " bemerkte sie. "Ich wünschte nur, es würde das auch tun, wenn andere Leute es tätscheln. Bis jetzt habe ich den Eindruck, dass dieses Baby meine sämtlichen Bekannten und die meisten meiner Freunde hasst. Andererseits hat es vielleicht nur etwas dagegen, wenn die Leute herkommen und es ohne jede Vorwarnung anfassen."

"Was meinen Sie damit?"

"Sie würden nicht glauben, wie viele Leute sich das Recht herausnehmen, herzukommen und einem ihre Hand auf den Bauch zu legen, wenn man schwanger ist."

"Was?" fragte Odo entsetzt. Er schnaubte höhnisch. "Mit mir würden sie das nicht machen, wenn ich schwanger wäre."

Kiras Körper erzitterte für einen kurzen Augenblick stumm, bevor sie in Gelächter ausbrach. Odo, der den Witz erkannte, lachte ebenfalls leise in sich hinein.

"Natürlich, " fügte er hinzu, "ist das nichts, um das ich mir Sorgen zu machen bräuchte."

"Schätzungsweise nicht," gelang es Kira unter Lachen hervorzubringen. "Aber es ist lustig, es sich bildlich vorzustellen."

Odo fuhr fort, Kiras Leib sanft zu streicheln. Entgegen jeglicher Logik und etwaiger Gedanken an das Morgen erfüllte ihn Zufriedenheit. Wenigstens im Moment brauchte Kira ihn - sie wollte seine Arme um sich herum - und er konnte sie immer noch zum Lachen bringen. Kira verschränkte ihre Finger mit seinen. Ihre Fingerspitzen wanderten zu seinem Handrücken und streichelten ihn in sanften, kreisenden Bewegungen.

Er war nicht sicher, woher die Veränderung kam, aber er konnte sie in Kiras Körper spüren; in einer leichten, wie summenden Anspannung, die sich von ihr auf ihn übertrug. Plötzlich wurde er sich der Situation bewusst, und die Bewegung seiner Hand auf Kiras Leib geriet ins Stocken.

"Nicht aufhören", wisperte Kira.

"Ich glaube - ich glaube, das sollte ich aber vielleicht besser." Odo zwang die Worte hervor, während er seine Stirn in Kiras Haar lehnte.

"Es tut mir Leid", sagte Kira einfach. "Wenn ich es einfach ignoriere, geht es vielleicht vorbei. Ich will gerade jetzt einfach nicht allein sein."

"Ich verstehe." Odo versuchte, sich wieder zu entspannen, mit nur minimalem Erfolg.

Kira lag einige Augenblicke stumm da und fuhr fort, Odos Hand sanft und sinnlich zu liebkosen. Schließlich fragte sie: "Erinnern Sie sich, als die Föderation die Station gerade übernommen hatte?"

"Natürlich." Odo entspannte sich etwas mehr angesichts der Behandlung eines scheinbar ungefährlichen Themas.

"In diesen ersten Monaten - ich war ja so verknallt in Sie."

"Sie waren - was?" Odo schüttelte seinen Kopf, als wenn er ihn klar bekommen wolle.

"Sie wissen schon - eine Vernarrtheit."

"Ich - ich bin mit dem Ausdruck vertraut. Ich denke nur nicht - ich hatte nicht - warum haben Sie mir nichts davon erzählt?"

Kira zuckte die Achseln, und die Bewegung fühlte sich sonderbar sinnlich an Odos Brust an. Denkt hier eigentlich niemand daran, dass dies keine Uniform ist, dass dies meine Haut ist? Er spielte kurz mit dem Gedanken, diese Tatsache zu demonstrieren, verwarf die Idee jedoch sofort wieder. Ich frage mich, was sie tun würde, überlegte er. Er konnte sich mehrere Möglichkeiten vorstellen - und alle waren alarmierend. Dann sprach Kira wieder.

"Ich weiß auch nicht. Ich dachte einfach, dass es schrecklich - schrecklich dumm von mir war. Es schien nicht so, als ob es etwas wäre, das Sie auch nur im Entferntesten interessiert hätte."

Odo dachte daran, wie sie damals gewesen war - ihr Stolz, ihre Leidenschaft, die sie sofort in eine Stelle tief in seinem Bewusstsein gepflanzt hatte, in sein 'Herz', wenn man diese humanoide Bezeichnung wählte. Er stieß einen Seufzer aus und überlegte, dass er diesem nicht existierenden Organ mehr Zeit zum Heilen hätte geben sollen, bevor er das Risiko einging, dass es wiederum gebrochen würde.

"Warum sagen Sie das?" Es erschien ihm plötzlich sehr wichtig, dass kein Schweigen entstand.

"Sie waren ganz schön deutlich darin, was Sie denken über unsere - humanoiden Paarungsrituale", beobachtete Kira amüsiert.

"Ja - gegenüber Quark!" Odo war zutiefst dankbar, dass Kira sein Gesicht nicht sehen konnte. "Ich konnte nicht gut gegenüber Quark etwas anderes sagen."

Kira jedoch hatte offensichtlich entschieden, dass Odos Gesicht genau das war, was sie sehen wollte. Sie wälzte sich auf die andere Seite, so dass sie dalag mit ihrem gewölbten Leib leicht an Odos flachen Bauch gedrückt. Sie lächelte neugierig.

"Nun, da ich nicht Quark bin - was halten Sie wirklich von unseren 'humanoiden Paarungsritualen'?"

Odo konnte Kiras Blick nicht begegnen und war zutiefst dankbar, dass ihr Umfang doch eine Art Distanz zwischen ihnen herstellte. "Ich -- finde immer noch einige Begriffe - extrem fremdartig", gestand er.

"Aber --?" sagte Kira leise.

Schließlich sah Odo sie an. "Sie sind nicht die einzige Person, die einsam ist, Major", sagte er knapp. Quark hatte Recht, dachte Odo verschwommen. Du musst ihr sagen, was du für sie empfindest - oder sie dir für immer aus dem Kopf schlagen. Aber eine andere Stimme widersprach der Stimme der Ferengi-Vernunft. Wie aber kannst du einen Freund im Stich lassen, wenn er dich braucht? Für sie dazusein bringt zwar keinen 'Profit' - aber es wäre unehrenhaft, nicht hier zu sein, und du bist ein ehrenhafter Mann.

Es schien nur einen Punkt zu geben, an dem sein gesunder Verstand und seine Ehre sich kreuzen konnten.

Die Wahrheit.

"Das kann ich mir denken", sagte Kira einfach. Sie legte eine Hand sanft auf seine Brust. "Sie verstecken das nur sehr gut."

"Tue ich das?" Odo schloss seine Augen. Er empfand Kiras Hand wie eine Feuerzunge an seinem Fleisch. Er ergriff ihre Hand mit seiner, öffnete die Augen und schenkte ihr ein kleines Lächeln.

"Alles scheint einfach erst an zweiter Stelle zu kommen hinter - dem Streben nach Effizienz und nach Ihrer Arbeit."

"Das scheint das einzige Gebiet zu sein, bei dem - niemand mein Recht auf Anwesenheit in Frage stellt."

Kiras Augen verengten sich und sie spähte ihn eindringlich an. "Im Gegensatz wozu?"

"Kira -" Odo hielt inne und wagte den entscheidenden Schritt, "Nerys -"

"Odo", unterbrach ihn Kira erfreut, "Sie haben mich noch nie mit meinem Vornamen angeredet."

"Es schien - Zeit dafür zu sein."

"Höchste Zeit", versicherte ihm Kira. "Tut mir Leid - was wollten Sie sagen?"

"Alle scheinen zu vergessen, dass - ich konditioniert wurde - aufgezogen, wenn Sie so wollen - ein Bajoraner zu sein. Meine Lehrer waren Bajoraner, alle Personen, mit denen ich engeren Kontakt hatte, waren Bajoraner. Meine - Gefühle, meine emotionalen Reaktionen - sind die eines Bajoraners."

Kira bedachte diese Worte und senkte den Kopf, so dass ihr Haar Odos Kinn kitzelte. "Ich - habe es noch nie von der Seite aus betrachtet", gestand sie. "Wir werden dazu erzogen, so - respektvoll gegenüber den Unterschieden anderer Spezies zu sein - ich schätze, ich habe nie die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass es vielleicht einen Angehörigen einer anderen Spezies geben könnte, der glücklich darüber wäre, einfach wie ein x-beliebiger Bajoraner behandelt zu werden."

"Es ist ja nicht so, als ob ich nicht gerne ein Formwandler wäre", fügte Odo hastig hinzu, "es ist einfach so, dass ich mich selbst als einen bajoranischen Formwandler betrachte."

"Sie haben so -" Kira zögerte und wählte ihre Worte, "-- so einen kühlen Kopf für einen Bajoraner. Wir sind alle manchmal solche vorlauten Hitzköpfe."

"Ich versuche eine gewisse - Ordnung in meinem Leben aufrecht zu erhalten, " gestand Odo. "Wenn außerdem niemand Gefühle von einem erwartet, dann lernt man - sie zu unterdrücken."

Kira lächelte sanft, und dann zuckte sie zusammen. Odo blickte hinab in Richtung ihres Leibes. Er war erschrocken über den Tritt, den er deutlich gespürt hatte.

"Ich fürchte, es wird wach", sagte Kira trocken. "Macht es Ihnen was aus, wenn ich Ihnen wieder den Rücken zudrehe? -- Das schien es besser zu mögen."

"Nur zu." Odo wartete, bis Kira sich auf die andere Seite gerollt und an seine Brust geschmiegt hatte. Dann legte er seinen Arm über sie hinweg, ließ seine Hand auf ihrem gewölbten Leib ruhen und streichelte ihn sanft. Kira seufzte auf, als die Last, die sie trug, sich wieder beruhigte. Das Kind schien der Hand, die es so sanft berührte, genauso viel Vertrauen entgegenzubringen wie seine Mutter.

Kira wandte sich wieder dem aktuellen Gesprächsthema zu. "Unterdrücken Sie Ihre Gefühle nicht, Odo", sagte sie leise. "Wie sonst sollen die Leute je entdecken, was für - was für eine wundervolle Persönlichkeit Sie haben? Manchmal erzähle ich etwas über Sie, oder wiederhole - ich weiß auch nicht, etwas Lustiges, das Sie gesagt haben, und mit wem auch immer ich spreche, schaut mich an als ob - als ob das ein anderer Odo wäre, von dem ich erzähle, nicht der, den sie von der Station her kennen."

"Es ist eben zur Gewohnheit geworden. Bestimmte Dinge werden ein Teil des Lebensmusters - bis man das Muster nicht mehr durchbrechen und die Wahrheit aussprechen kann."

"Sagen Sie mir die Wahrheit, Odo", murmelte Kira schläfrig.

"Welche Wahrheit wollen Sie hören?" fragte Odo leise. Als sie nicht antwortete, fuhr er fort: "Ich erinnere mich an diesen ersten Morgen auf Terok Nor, als diese Frau, Vaatriks Witwe , mich auf Sie aufmerksam machte - ich weiß nicht genau, was passierte, aber irgendwie fühlte ich eine - Verbundenheit - es war fast so, als ob ich Sie bereits kannte."

Irgendwie schienen die Worte einfacher zu kommen, weil Kira weiterhin still dalag. Odo holte tief Luft und grollte: "Ich hatte noch nie einen echten Freund vor Ihnen, Maj - Nerys. Ich habe nie - jemanden geliebt vor Ihnen. Mit Sicherheit war ich nie in jemanden verliebt. Nicht vor Ihnen, Nerys."

Wenn Odo wirklich hätte atmen müssen, hätte er jetzt die Luft angehalten, bis er fast erstickt wäre, denn das Schweigen zwischen ihnen wurde immer länger, bis es schließlich unerträglich wurde. Endlich flüsterte er: "Major - bitte sagen Sie etwas."

Das Schweigen hielt an - sanft und seltsamerweise friedlich. Odo riskierte es, sich auf einem Ellbogen aufzurichten und entdeckte, dass Kiras Augen geschlossen waren und dass sie tief eingeschlafen war.

Odo legte sich wieder an ihren Rücken geschmiegt, seufzte und dachte niedergeschlagen: Schätzungsweise könnte ich es als Probelauf betrachten, bevor er sich damit abfand, die Nacht hindurch abzuwarten.

Irgendwann ließ er sowohl seinen erschöpften Verstand als auch seine Substanz sich entspannen. Er schmiegte seine gelähnliche Gestalt perfekt an den Umriss von Kiras Rücken, so wie seine feste Form es getan hatte. Die Tagesbeleuchtung war an, als er endlich wieder zu sich kam, und Kira war weg.

Odo schoss in einer bernsteinfarbenen Säule empor und nahm wieder seine übliche humanoide Erscheinung an. "Major?" rief er und entschloss sich dazu, sich nervös auf die Kante der Couch zu hocken.

"Ich verbringe nur eine spezielle Stunde an meinem Lieblingsort", echote Kiras Stimme aus Richtung Badezimmer zurück. Einen Moment später betrat sie den Wohnraum, in ein weites, rostfarbenes Gewand gekleidet. Sie fuhr mit den Händen durch ihr Haar und lächelte Odo an. Blinzelnd vertrieb sie den Schlaf aus ihren Augen.

"So gut habe ich seit Monaten nicht mehr geschlafen. Es tut mir allerdings Leid, dass ich eingeschlafen bin, gerade als die Unterhaltung interessant wurde."

"So interessant nun auch wieder nicht", sagte Odo kurz. Beunruhigt knetete er seine Hände. Kira starrte ihn verwirrt an.

"Odo, was ist los?"

"Es täte mir Leid, wenn Sie sich - erschrocken hätten heute Morgen."

"Erschrocken?" Kira runzelte die Stirn. Schließlich begriff sie, wovon er sprach. "Weil Sie noch -"

"Ja", sagte Odo knapp und schaute weg.

"Odo - ich verstehe nicht, was Sie daran so stört. Es ist doch nicht so, als wenn Sie mich nicht die ganze Zeit in meinem natürlichen Zustand sehen würden. Ist es nur weil Sie - nackt sind in diesem Zustand?"

"Nacktheit ist für mich nicht relevant, Major. Wenn Sie es genau betrachten, bin ich immer nackt."

Kira starrte ihn erstaunt an und brach dann in Gelächter aus. "Das sind Sie wohl", brachte sie schließlich hervor. "Ich schätze, es wäre Ihnen lieber, wenn ich diese Einsicht nicht mit Quark teilen würde."

"Nur wenn Sie gerne den Rest Ihrer Schwangerschaft in einer Gewahrsamszelle verbringen möchten", warnte Odo.

"Jedenfalls, " begann Kira und durchquerte den Raum, "tut es mir Leid, dass ich letzte Nacht nicht lange genug wach geblieben bin, um Ihnen bis zum Schluss zuzuhören. Erzählen Sie es heute Abend noch einmal?"

"Wir werden sehen, Major", erwiderte Odo ausweichend.

"Ich glaube, 'Nerys' gefiel mir besser", sagte Kira sanft. Sie lächelte. "Sie erwarten doch wohl nicht, dass ich mir für die Arbeit in ihrem Büro eine Sicherheitsuniform anschaffe, oder?"

Odo musterte sie kritisch. "Sie würden wohl Schwierigkeiten haben, eine zu bekommen, die Ihnen passen würde", beobachtete er. "Offiziell sind Sie nicht im Dienst, Maj - Nerys. Tragen Sie, was immer bequem für Sie ist."

"Das sollte ich wohl besser nicht tun", sagte Kira trocken.

"Wieso das?"

"Dann wäre nämlich ich nackt."

Odo lachte auf. "Nein, das wäre wohl wirklich keine gute Idee. Wir bekämen Quark niemals aus meinem Büro hinaus."

Kira krümmte sich. "Ist das nicht ein herrlicher Gedanke? Machen Sie sich keine Sorgen - Ich werde so sittsam und unattraktiv für einen Ferengi sein wie möglich."

"Dann sehe ich Sie später." Odo ging um sie herum. Kira jedoch streckte die Hände aus und ergriff ihn an den Armen.

"Ich kann Ihnen das, was Sie für mich tun, niemals zurückzahlen, Odo - das wissen Sie doch, oder?"

"Machen Sie sich keine Sorgen - wenn Sie sich zwei Monate lang mit meinen Sternenflottenberichten auseinandergesetzt haben, werden Sie denken, dass ich Ihnen etwas schulde."

"Was zu sagen ich versuche ist - danke." Kira stellte sich auf die Zehenspitzen. Der Kuss wäre auf Odos Wange gelandet, wenn er nicht vor Überraschung seinen Kopf etwas gedreht hätte. So streifte ihr Mund den seinen, der süß und auf unschuldige Weise sinnlich war - wie es ihm gelang, nicht vor Überraschung zu keuchen, sie nicht in seine Arme zu nehmen und niemals wieder loszulassen, blieb Odo ein Rätsel. Statt dessen lächelte er nur.

"Jederzeit, Major."

space

Nachdem er Kiras Quartier verlassen hatte, hatte Odo das Gefühl, sich allem stellen zu können, was das Leben ihm noch bieten würde. Jedoch hatte er diesmal Quark nicht in die Rechnung mit einbezogen.

Als er seine morgendliche Runde über die Promenade absolviert hatte, fand Odo den Ferengi wartend in seinem Büro vor, seine Ohrläppchen förmlich erzitternd vor Empörung. Er musterte Odo gründlich von oben bis unter und rief aus: "Ich kann es nicht glauben! Diese Frau - in diesem Zustand, und Sie -"

"Was quasseln Sie da, Quark?" Odo ging zu seinem Sessel hinter seinem Schreibtisch, setzte sich und fing an, seine Konsole zu bedienen. "Und warum quasseln Sie ausgerechnet hier darüber?"

"Major Kira. Sie sind letzte Nacht überhaupt nicht nach Hause gekommen, oder?"

"Nein." Odo bearbeitete weiter die Konsole und verriet keinerlei Emotionen außer seiner üblichen Ruhe.

"Sie haben mit ihr geschlafen? Wo sie doch - das ist ja ekelhaft!"

"Ich habe auf dem Sofa in Major Kiras Quartier geschlafen." Odo sah keinen Zweck darin, Quark zu erzählen, dass Kira dort auch geschlafen hatte, da es auf ihn nur einen falschen Eindruck machen würde. "Es ging ihr nicht gut."

"Sie ist noch nicht soweit, es zu kriegen, oder?" fragte Quark alarmiert.

"Ist es das, worum Sie sich in Wahrheit Sorgen machen?" erkundigte sich Odo trocken. "Die Babywette?"

"Man kann nie wissen, was sie dazu bringt, zu beschließen, auf die Welt zu kommen, wenn sie schon so nahe dran sind!"

"Und je früher es kommt, desto weniger Gewinn bekommen Sie durch die Wette."

"Nun, in der Tat -"

"Machen Sie sich keine Sorgen, Quark, so sehr es Major Kira auch gefallen würde, Sie zu ärgern, glaube ich doch nicht, dass dieser Wunsch soweit geht, das Baby zwei Monate zu früh zu bekommen - obwohl ich mich auch vielleicht irre. Ich werde sie fragen, sobald sie hier ankommt."

"Mich was fragen?" ertönte eine Stimme aus Richtung Tür. Kira betrat das Büro und beäugte Quark misstrauisch.

"Quark hat eine Wette angefangen darüber, wann Ihr Baby geboren wird. Als ich letzte Nacht nicht in mein Quartier zurückgekommen bin, hatte er Angst, wir wären mit einem Akt beschäftigt, der die Geburt beschleunigen könnte."

"Er - Quark, Sie minderbemittelte, schmutzige kleine Ratte!" Sowohl Quark als auch Odo waren überrascht von Kiras Vehemenz und der Röte, die ihr in die Wangen stieg. "Was immer Sie auch tun in Ihrer - Ihrer beschissenen kleinen Bar ist Ihre Sache, aber halten Sie mich, mein Baby und meine Freunde gefälligst da raus!"

"Entschuldigung, Major - nur ein - kleines Missverständnis." Quark trat hastig den Rückzug an.

"Von allen -" Kira setzte sich wutschnaubend in ihren üblichen Sessel Odo gegenüber. Der beobachtete sie mit mildem Erstaunen.

"So ist Quark eben, Major. Lassen Sie nicht zu, dass er Sie aus der Fassung bringt."

"Es tut mir Leid - ich habe bloß schlechte Laune." Auf Odos fragenden Blick hin erklärte sie: "Ich habe gerade eine Subraum-Nachricht von Edon bekommen."

"Aha", murmelte Odo unverbindlich.

"Er möchte, dass ich übermorgen nach Bajor komme und mich mit ihm treffe."

"Wenn ich mich nicht irre, hat er seit Monaten versucht, Sie dazu zu bringen, sich mit ihm zu treffen. Ziehen Sie es jetzt in Erwägung?"

"Ich denke schon. Er ist schließlich der Vater meines Babys - ich muss mich irgendwann mit ihm auseinandersetzen."

"Ich verstehe." Odos Hände flogen ruhig über die Bedienungsfelder seiner Konsole, und genauso ruhig war seine Stimme. "Möchten Sie, dass ich Sie hinfliege? Es findet ein Treffen der Sicherheitsbehörden statt, an dem ich teilnehmen sollte." Bei den bajoranischen Sicherheitsbehörden fand immer dieses oder jenes Treffen statt - Odo war sich ziemlich sicher, dass er eines finden würde, das gerade lief.

"Das wäre mir sehr Recht, " gestand Kira leise. "Ich bin mir nicht sicher, ob Sisko mir zur Zeit ein Runabout oder womöglich ein Shuttle anvertrauen würde."

"Sie haben Recht - das würde er vermutlich nicht."

"Woher wollen denn Sie das wissen?" fragte Kira indigniert.

"Weil ich es auch nicht würde." Bevor Kira explodieren konnte fuhr Odo fort: "Sie sind schon zu weit. Sie sollten eine solche Reise nicht allein unternehmen."

"Kann schon sein", pflichtete Kira bei. Sie seufzte, legte die Arme nach hinten und rieb sich den Nacken. "Ich habe Julian zufällig auf der Promenade getroffen - er wollte mit mir über Geburtsvorbereitungen reden - natürliche Geburt. Ich habe ihm gesagt, ich hätte genug 'Natürliches' während des Widerstandes gehabt - wenn das Baby kommt, erwarte ich von ihm, dass er mich betäubt und es herausholt."

Odo lachte in sich hinein. "Und was hat er gesagt?"

Kira schüttelte den Kopf. "Er hat wie immer nichts begriffen. 'Major - wollen Sie nicht das Wunder des Lebens in seiner Gänze erleben?' So wie ich es sehe, werde ich mich mit dem 'Wunder des Lebens' ungefähr während der nächsten achtzehn Jahre beschäftigen - ich kann es ertragen, mir während der ersten acht Stunden davon nicht die Lunge aus dem Hals zu schreien."

"Eine sehr - vernünftige Einschätzung, " billigte Odo ihr zu. Auf Kiras fragenden Blick hin ergänzte er: "Es ist zwar natürlich nur so eine Ahnung, aber ich habe den Verdacht, zu wissen, wen Sie bei der Geburt dabei haben möchten."

Kira lachte. "Sie haben Recht. Ich gehe davon aus, dass diese Rolle nicht sehr anziehend auf Sie wirkt."

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es angenehm fände, Sie Schmerzen erleiden zu sehen, Maj - Nerys", er verbesserte sich hastig, als er sah, wie ihr Mund sich zum Protest öffnete. "Ich glaube, Sie haben in Ihrem Leben genug Schmerz erdulden müssen, ohne dass Sie noch mehr Schmerzen erleiden, die Sie eigentlich nicht erleiden müssten."

"Ich danke Ihnen, Odo", sagte Kira bewegt. "Ich freue mich, dass wenigstens einer es so sieht." Sie machte eine Pause, bevor sie fortfuhr: "Also, wo sind die Berichte, die Sie bearbeitet haben möchten?"

"Kommen Sie und setzen sich in meinen Sessel - ich glaube, da haben Sie es bequemer", wies Odo sie an. Schnell ging er die Berichte mit ihr durch und ließ sie schließlich mit ihrer Arbeit allein. Ihre Stirn runzelte sich vor Konzentration, während sie über den Myriaden von Formularen und Daten brütete.

Am selben Abend fand Odo Kira in ihrem Quartier an ihrer persönlichen Konsole immer noch mit denselben Berichten ringend vor. Nachdem er ihr einen Moment lang über die Schulter geschaut hatte, griff Odo um sie herum und stellte die Konsole ab.

"Überstunden bezahle ich nicht", sagte er trocken. Kira sah zu ihm auf, blinzelte und lächelte.

"Entschuldigung", sagte sie. "Die Wahrheit ist - es ist irgendwie beruhigend."

"Beruhigend?" Odo stieß ein skeptisches Schnauben aus. "Was meinen Sie bloß damit?"

"Nun - ich habe dadurch etwas zum Konzentrieren - niemand belästigt mich, während ich daran arbeite - und nach den Dingen, über die ich in der letzten Zeit andauernd nachgedacht habe, ist es - beruhigend."

"Ich verstehe." Odo ließ seine Hand kurz auf Kiras Schulter ruhen, bevor er zum Tisch hinüber ging und untersuchte, was darauf stand. "Es tut mir Leid, dass ich so spät komme - haben Sie nichts gegessen?"

"Ein paar Sachen, die Julian mir gegeben hat - mir geht's gut."

"Sie sollten etwas essen", kritisierte Odo sanft.

"Es tut mir Leid - ich kann repliziertes Essen einfach nicht mehr ertragen." Kira schüttelte sich.

"Gleich morgen sehe ich zu, dass ich ein paar Zutaten bekomme - ich bin sicher, dass ich lernen kann, wie man ein Omelett macht."

"Mmm - das hört sich gut an."

"Eigentlich..." Odo dachte einen Moment nach, dann berührte er seine Kombrosche. "Odo an Captain Sisko."

"Hier Sisko", kam die Stimme des Captains prompt zurück, während Kira überrascht aufblickte. "Gibt es ein Problem, Constable?"

"Nein - ich habe mir nur überlegt - haben Sie vielleicht Eier?"

"Eier?"

"Ja - frische Eier, nicht replizierte Eier."

"Constable -" die totale Verwirrung in Siskos Stimme war sogar durch die Kombrosche hörbar. "-wofür genau brauchen Sie frische Eier?"

Odo seufzte. "Das Essen aus dem Replikator bekommt Major Kira nicht. Ich dachte, ich sollte versuchen, ihr ein Omelett zu machen."

Für eine Zeit lang kam gar nichts aus der Kombrosche. Schließlich ertönte Siskos Stimme heiter: "Ich gebe Ihnen noch einen drauf, Constable. Ich werde Ihnen nicht nur ein paar Eier bringen, sondern ich werde Ihnen zeigen, wie man so ein Omelett macht."

"Also - vielen Dank, Captain. Odo Ende." Odo warf Kira einen zufriedenen Blick zu, die dasaß, ihn beobachtete und kopfschüttelnd lachte.

"Wissen Sie was, Odo, Sie würden für eine Frau einen wunderbaren Ehemann abgeben."

Odo starrte Kira eine volle Sekunde lang wie elektrisiert an. Dann wandte er sich abrupt ab und ging zur Computerkonsole. "Wenn es Sie nicht stört, möchte ich noch ein paar Berichte durcharbeiten, während ich hier bin..."

"Berichte sind mein Job, erinnern Sie sich nicht?"

Odo hielt mitten im Schritt inne. "Ja natürlich." Er stockte, schaute hilflos um sich und machte sich daran, winzige Veränderungen an der Position einiger Stühle vorzunehmen. Er schob sie in eine perfekte Linie. Kira musterte ihn gedankenvoll mit der Spur eines Lächelns auf den Lippen. Schließlich hievte sie sich auf die Füße und trat hinter ihn. Sie lehnte sich an seinen Rücken und schlang die Arme um ihn.

"Odo - ich bin nicht auf einen Heiratsantrag aus, machen Sie sich keine Sorgen."

"Es ist mir - nie in den Sinn gekommen, dass Sie das tun könnten, Major."

"Wie auch immer, warum setzen Sie sich nicht und erzählen mir zu Ende, womit Sie gestern Abend angefangen sind?" Kira ließ ihre Arme fallen und ging zur Couch. Sie ließ sich schwerfällig hineinsinken und tätschelte den Sitz neben sich einladend.

"Ich - ich bin mir nicht sicher, ob ich mich noch daran erinnere."

"Sie haben darüber gesprochen, dass Sie gelernt haben, Ihre Gefühle zu unterdrücken", ermutigte ihn Kira sanft, "jedenfalls ist das das Letzte, an das ich mich erinnere."

"Das ist richtig", brachte Odo unter Schwierigkeiten hervor. "Danach habe ich eigentlich nicht viel mehr gesagt." Dennoch setzte er sich langsam neben Kira, nahm ihre Hand, die sie ihm entgegenstreckte, umklammerte sie unbeholfen mit beiden Händen und legte sie auf seine Knie. "Ich sehe, dass Sie es aufgegeben haben, sich die Fingernägel zu lackieren", beobachtete er beifällig.

"Eine kurze, erfolglose Phase." Kira lächelte. "Als Kind hatte ich nicht die Möglichkeit, es zu tun - ich habe mal gehört, dass wir Humanoiden dazu neigen, uns zurückzuentwickeln und Verhaltensphasen zu durchleben, die wir beim ersten Mal verpasst haben."

"Aha... ich schätze, das erklärt auch die Frisur - und diese fürchterlichen Stiefel."

Kira lächelte reumütig. "Das erklärt sogar Edon." Auf Odos plötzliches, fragendes Starren hin zuckte sie die Achseln. "Gut aussehend, ein Kriegsheld - Führer einer ganzen Welt - genau der Typ, bei dem man erwartet, dass ihm ein Teenager, dem fast die Augen aus dem Kopf fallen, auf den Leim geht, meinen Sie nicht? Es macht mich nur rasend, wenn ich daran denke - ich wusste ja sogar, wie er war! Ich hatte es ja gesehen - wie er sich durch die Dienstränge durcharbeitete, sozusagen - und das war mit ein Grund gewesen, dass ich mich vorher nie mit ihm eingelassen hatte. Wieso habe ich bloß angenommen, dass eine - magische Wandlung in ihm stattgefunden hätte, als er Premierminister von Bajor wurde? Ich hätte es besser wissen sollen, Odo."

"Wie heißt doch gleich dieser humanoide Ausdruck? Hinterher ist jeder schlau?"

"So was in der Art", stimmte Kira zu. "Also, ich glaube, man könnte sagen, dass ich meine Lektion auf die harte Tour gelernt habe." Ihre freie Hand wanderte zu ihrem Bauch, und sie seufzte. Dann erklang der Türsummer.

"Herein!" rief Kira automatisch. Captain Sisko segelte in den Raum, mit Jake dicht hinter ihm. Beide hatten die Arme voll getürmt mit einem Sortiment von einzelnen Gegenständen und Behältern. Sie fingen an, ihre Utensilien auf dem Tisch aufzubauen, während Kira und Odo verblüfft zusahen.

"Mir fiel ein, da Sie offensichtlich noch nicht einmal irgendetwas haben, das man kochen kann, haben Sie sicher erst recht nichts, mit dem man kochen kann. Deshalb habe ich ein paar Dinge mitgebracht, " sagte Sisko fröhlich, während sein Blick über das Paar auf der Couch wanderte. Odo erinnerte sich daran, dass Kiras Hand in seiner lag, und er ließ sie fallen, als ob er sich verbrannt hätte. Siskos Augen verengten sich und blickten plötzlich forschend.

"Irgendwo ist eine Kochplatte im Tisch eingebaut", sagte Kira vage. "Versuchen Sie es am anderen Ende."

Sisko überprüfte das. "Tatsächlich - vielleicht funktioniert sie noch." Er fing an, geschäftig herumzubasteln. Jake lächelte in Richtung auf Kira und Odo, und ein neugieriger Ausdruck trat in seinen Blick. "Hallo Major - Odo. Ich bleibe nur lange genug, um Dad bei diesem Zeug zu helfen."

"Kannst du nicht länger bleiben?" ermutigte Kira ihn.

"Es tut mir Leid, Major - ich habe eine Verabredung." Jake grinste.

"Also, dann lass dich von uns nicht aufhalten." Kira lächelte zum Abschied, während Odo ein Nicken gelang. Er fühlte sich plötzlich verletzlich, zur Schau gestellt - bisher hatte er diese Abende mit Kira allein verbracht, und er entschied jetzt, dass er das auch bei weitem bevorzugte. Trotzdem stand Odo auf, als Jake verschwand, stellte sich neben Sisko und beobachtete aufmerksam, wie der Captain anfing, Eier in eine Schüssel zu schlagen.

"Das Geheimnis eines guten Omeletts, Constable, besteht darin, anstatt Milch Wasser zu den Eiern zu schütten und sie zu schlagen, bis ihr Leben nur noch an einem seidenen Faden hängt - bildlich gesprochen." Sisko rührte voller Elan. Dann reichte er die Schüssel an Odo weiter und fing an, die anderen Zutaten zurechtzulegen. "Das Schöne an einem Omelett ist, dass man so viele verschiedene Dinge hineintun kann - man kann jeden Abend ein anderes Gericht haben! Also, dies wird ein Omelett nach irdischer Art - zufälligerweise hatte ich noch ein paar Krabben und Pilze übrig. Es wird sicher sehr schmackhaft." Sisko nahm Odo die Schüssel wieder ab und schüttete den Inhalt in eine heiße Pfanne, während der Formwandler gebannt zusah. Kira stand vom Sofa auf und stellte sich an Odos Seite. Sie steckte ihre Hand beiläufig durch seine Armbeuge und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Odo fuhr zusammen.

"Sie sind so schreckhaft, " neckte Kira und drückte Odos Arm. "Das Einzige, worüber ich mir bisher keinerlei Sorgen gemacht habe ist die Geburt - ich glaube, dass Odo sich genug Sorgen für uns Zwei darüber macht."

Sisko beäugte das Paar gedankenvoll, dann wandte er sich um und ließ das Omelett auf einen Teller rutschen. "Hier bitte schön, Major - ein Omelett mit Krabben und Pilzen."

"Werden Sie mir nur zusehen?" fragte Kira alarmiert. "Bei Odo habe ich mich daran gewöhnt, aber-"

"Ich mache mir auch gleich eins", versicherte Sisko ihr. Es war nur eine Sache von Augenblicken, bis er Kira und Odo gegenüber am Tisch saß und Mensch und Humanoide herzhaft ihrem Essen zusprachen. Odo, der an Kiras Seite saß, blieb größtenteils stumm, während Sisko und Kira entspannt miteinander plauderten. Schließlich wandte der Captain seine Aufmerksamkeit dem Wechselbalg zu und musterte ihn mit verengten Augen.

"Odo, ich habe gehört, Sie haben eine neue Assistentin in der Sicherheit."

"Was? -- Oh ja, Captain. Nerys ist mir eine große Hilfe."

"Zumindest gerate ich Ihnen so auf der Ops nicht ins Gehege", fügte Kira hinzu.

"Die Anzahl der Opfer hat dadurch beträchtlich abgenommen", sagte Sisko fröhlich. Kira blickte finster und zuckte dann die Achseln.

"Zumindest kann ich so zur Abwechslung mal was für Odo tun", kommentierte sie. Sie lächelte ihren schweigenden Freund voller Wärme an. "Ich weiß nicht, was ich ohne Sie täte, Odo. Ich dachte, dies würden die längsten Monate meines Lebens. Ich hätte nie erwartet - verhätschelt zu werden."

Odo gelang ein schwaches Lächeln. "Scheinbar brauchen Sie es - verhätschelt zu werden, " beobachtete er.

"Ja, aber es gibt keinen Grund, dass ausgerechnet Sie das tun mussten."

"Natürlich gibt es einen Grund", sagte Odo unwillkürlich. Er schaute sie an und schien fast ein bisschen verletzt zu sein. Dann, als er sich an die Anwesenheit des Captains erinnerte, warf er Sisko einen verstohlenen Blick zu. "Wir sind Freunde, Nerys."

"Niemals hat es einen Freund wie Sie gegeben", sagte Kira nur. Sie kam unbeholfen auf die Füße, wobei sie Odos automatischen Versuch, ihr behilflich zu sein, abwies. "Sie müssen mich für eine Minute entschuldigen - ich bin sofort wieder da." Hinter Odos Stuhl hielt sie kurz an, legte die Arme um ihn und pflanzte einen Kuss auf seinen Kopf - seine Reaktion war für sie unsichtbar, Sisko jedoch sprang sie nur so in die Augen, als er sah, wie die Augen des Formwandlers sich weiteten und dann wieder schlossen mit einem Ausdruck von - Sinnlosigkeit? Leidenschaft?

Liebe??

Gewisse Ereignisse, die bisher keinen Sinn ergeben hatten, gellten plötzlich durch Siskos Verstand. Der Vorfall im Turbolift mit Shakaar und den verpfuschten Sicherheitscodes, der fast zu einer Katastrophe geführt hatte - Odo hatte gesagt, dass er von einer persönlichen Angelegenheit abgelenkt worden sei. Damals war Sisko überrascht gewesen zu erfahren, dass Odo überhaupt persönliche Angelegenheiten hatte - jetzt aber waren sie für Benjamin Sisko so klar erkennbar wie die ziemlich unfertig aussehende Nase im Gesicht des Wechselbalges.

Odo liebte Major Kira.

Sisko spielte mit dem Gedanken, dass es sich vielleicht nur um eine Vernarrtheit handeln könne, verwarf diese Idee jedoch sofort wieder. Eine Vernarrtheit würde höchstwahrscheinlich nicht die Belastungen, denen sie durch sieben Monate voller zunehmenden Leibesumfanges, Wutanfällen und Stimmungswechseln ausgesetzt war, überdauern. Offensichtlich hatte Odos Neigung für die Frau, für die zu sorgen und die zu beschützen er sich zur Aufgabe gemacht hatte, in keiner Weise nachgelassen. Sisko starrte seinen Sicherheitschef an und platzte heraus: "Constable - geht es Ihnen gut?"

"Mir?" Odo sah verwirrt aus - und auf der Hut, dachte Sisko. "Warum sollte es mir nicht gut gehen?"

"Von Ihrer Arbeit einmal abgesehen scheinen Sie Ihr Leben - völlig umgekrempelt zu haben, damit Sie sich um Nerys kümmern können. Das muss manchmal anstrengend sein."

"Nein." Odos Stimme klang absolut sicher. "Außerdem braucht sie mich."

"Und Sie lieben sie", fügte Sisko sanft hinzu.

Odo blickte seinen Captain schockiert an, während Kira gerade wieder den Raum betrat. Sie kehrte langsam zu ihrem Stuhl zurück.

"Bis ich schwanger wurde wusste ich gar nicht, wie groß mein Quartier doch ist", kommentierte sie. "Jetzt könnte ich Ihnen vermutlich genau die Zahl der Schritte angeben, die ich von einer Stelle zur anderen brauche - und falls doch nicht, bin ich sicher, die Zahlen sind in meine Fußsohlen eingebrannt."

"Sind sie wund?" fragte Odo automatisch, während sein warnender, bittender Blick nicht von Sisko wich.

"Oh, und wie." Kira blieb vor ihrem Stuhl stehen, als wenn sie überlegte, ob es die Anstrengung wert sei, sich hinzusetzen.

"Sie sollten sie vermutlich hochlegen", bemerkte Sisko, und Odo hauchte einen Seufzer der Erleichterung. "Ich erinnere mich daran, als Jennifer mit Jake schwanger war - sie musste ihre Füße fast drei Monate lang andauernd hochlegen."

"Also, so schlimm ist es bislang nicht", sagte Kira. Sie hörte sich ein bisschen erfreut an darüber, dass mindestens eine Person mehr hatte leiden müssen als sie. "Tatsächlich habe ich regelrecht Glück - ich habe meinen eigenen, persönlichen Masseur."

Sisko lächelte. "Constable, gibt es irgend etwas, das Sie nicht können?"

"Kochen", antwortete Odo gelassen. "Aber ich bin dabei, es zu lernen."

"Nun, Sie sollten inzwischen zumindest in der Lage sein, ein Omelett hinzukriegen. Seien Sie aber vorsichtig - jedes Mal, wenn es mir gelungen war, etwas zu finden, dass Jennifer auch aß, verursachte es ihr in der nächsten Woche schon wieder Übelkeit."

"Glücklicherweise, " sagte Odo ironisch, " weiß ich ja, wen ich fragen kann."

"Das tun Sie ruhig - jederzeit." Sisko kam auf die Füße. "Und jetzt, wenn Sie mich entschuldigen, Nerys - Odo - ich muss heute noch ein paar Dinge erledigen. Außerdem, Nerys - es scheint, als ob Sie mal früh schlafen gehen sollten."

"Das tue ich in letzter Zeit immer", stimmte Kira zu. Sisko warf Odo einen letzten Blick zu, während man sich verabschiedete und verschwand dann durch die Tür.

"So wie er mich gestern auf der Ops niedergemacht hat, war ich mir nicht sicher, ob er wohl in den nächsten zwei Monaten noch mit mir sprechen würde", bemerkte Kira. Sie gab jeden Gedanken daran auf, an ihren Platz am Tisch zurückzukehren und durchquerte stattdessen den Raum, um auf der Couch zu stranden. Odo räumte die Überreste des Abendessens auf. Alle Viere von sich gestreckt drehte Kira ihren Kopf so, dass sie die geschickten Bewegungen ihres Freundes beobachten konnte. Odo schenkte ihr ein kurzes, schwaches Lächeln.

"Ich bin sofort bei Ihnen."

"Ich kann warten", sagte Kira nur. Sie empfand einen plötzlichen Anfall von Vergnügen - und etwas mehr -- als Odos blaue Augen sie kurz mit freundlichem Ausdruck anblickten. Das 'etwas mehr' ließ sie eine Grimasse ziehen und die Hormone verfluchen, die in ihrem Körper Amok liefen.

Immerhin ist er ein Formwandler, ertönte ein leises, verführerisches Wispern in ihrem Kopf. Dein Baby würde ihm sicher überhaupt nicht im Wege sein.

Kira seufzte laut und schüttelte den Kopf, um ihn wieder klar zu bekommen. Odo, der den Raum in ihre Richtung durchquerte, blieb erschrocken stehen.

"Nerys - sind Sie in Ordnung?"

"Mir geht es gut - ich fühle mich nur etwas verdreht." Sie erklärte das nicht weiter, und Odo drängte sie nicht. Stattdessen setzte er sich ans Fußende des Sofas, hob ihre Füße an und rutschte darunter, so dass ihre Unterschenkel in seinem Schoß ruhten. Er nahm ihren rechten Fuß und bearbeitete ihn mit starken, behutsamen Händen. Kira stöhnte glücklich und gab sich der Seligkeit hin.

"Nur gut, dass Sie kein cardassianischer Vernehmungsbeamter waren", beobachtete Kira. "Ich hätte Ihnen einfach alles erzählt."

"Daran werde ich denken, wenn ich das nächste Mal den Eindruck habe, Sie halten Informationen zurück." Odo ließ die Substanz seiner Hände sich ausdehnen, während er sich zu ihrem Knöchel hocharbeitete.

"Die Propheten wissen es - einige Leute haben es wirklich durch so was hingekriegt", sagte Kira kurz und dachte daran, wie Shakaar sie dazu gebracht hatte, auf eine Mission zusammen mit Gul Dukat zu gehen. Odo stieß ein kurzes Lachen aus und wandte seine Aufmerksamkeit ihrem linken Fuß zu. Kira schnurrte bereits förmlich, als er anfing, ihre Waden zu massieren.

Schließlich ließ er seine Hände auf ihren Knien ruhen. "Wie war das?"

"Wundervoll", seufzte Kira.

"Gibt es sonst noch etwas, das ich für Sie tun kann?" fragte Odo jovial.

"Sie können einfach so weitermachen bis an meinen Haaransatz."

Einen Moment lang fragte Kira sich, wer diese zweideutigen Worte wohl ausgesprochen hätte. Erst als sie fühlte, wie die Hände, die bequem auf ihren Knien geruht hatten vor Anspannung erstarrten erkannte sie: Oh ihr Propheten. Ich habe es gesagt.

"Odo, es - es tut mir so Leid, ich wollte damit nicht -"

"Schhh..." murmelte Odo. "Ich weiß doch, dass Sie das nicht wollten." In seiner Stimme klang eine tiefe Traurigkeit mit, die Kiras Verstand nicht wahrnahm, jedenfalls zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie ärgerte sich heftig über sich selbst und hatte einen roten Kopf vor Verlegenheit.

"Ich wage kaum, mir vorzustellen, was - was Sie von mir denken müssen -"

"Ich denke, das Baby, das bewirkt, dass Sie sich mindestens einmal pro Stunde erleichtern müssen, übt vermutlich auch Druck auf andere Gebiete aus. Es ist schon gut, Nerys."

"Sie müssen sich manchmal - so abgestoßen fühlen von all diesem."

"Nein", sagte Odo leise. "Ich habe - selten eine Erfahrung so genossen wie die Zeit, die ich in den vergangenen Monaten mit Ihnen verbracht habe."

Kira öffnete den Mund um zu fragen, ob er Witze mache, erkannte dann aber mit absoluter Sicherheit, dass er es ernst meinte, obwohl sie keine Ahnung hatte, wieso. Sie zog ihre Füße von seinem Schoß, manövrierte sich unbeholfen in eine sitzende Position und lehnte sich leicht an Odo. Ihren Kopf legte sie an seine Schulter.

"Das ist so lieb von Ihnen, Odo - aber warum nur?"

Es entstand eine lange Pause, während der Odo seine Handrücken studierte. Endlich sagte er: "Es ist einfach so, dass - ich mich nie weniger - einsam gefühlt habe. Es war, als hätte ich eine Familie."

Da sie ihren Freund genau kannte, war Kira sofort klar, wie bedeutungsvoll diese Worte waren. Zutiefst berührt richtete sie sich auf und sah Odo an, bis sein Blick schließlich dem ihren begegnete. "Danke", wisperte Kira. Ihre Blicke versenkten sich ineinander, und die Atmosphäre um sie herum wurde plötzlich elektrisch.

"Es ist kein Kompliment. Es ist - die Wahrheit." Ihre Lippen waren einander so nahe, dass Kira den leisen Lufthauch von Odos Worten spürte. Kira schloss halb die Augen und ließ sich noch ein wenig näher gleiten. Odos Hand hob sich, um ihre Wange zu berühren - und sank ruckartig herab.

"Ich sollte wirklich besser gehen - Sie brauchen Ihren Schlaf." Odo kam so schnell auf die Füße, dass Kira fast das Gleichgewicht verlor. "Gute Nacht, Nerys." Odo gab förmlich Fersengeld und floh, während Kira auf der Couch blieb und ihn gehen sah mit einem Gefühl von Bestürzung und einer unerfüllten Sehnsucht.

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Kira saß hinter Odos Schreibtisch im Sicherheitsbüro und arbeitete verbissen daran, verschiedene Berichte in einen Zustand so makelloser Ordnung zu bringen, wie ihn Odo und die Sternenflotte verlangten. Da kam Captain Sisko herein und setzte sich in den Sessel, in dem Kira immer halbwegs erwartete, sich selbst zu sehen. Kira schaute lächelnd auf zu ihrem kommandierenden Offizier, aber ihr Lächeln verblasste angesichts des ernsten Ausdrucks seiner Augen. "Captain", sagte sie ruhig, "ist etwas nicht in Ordnung?"

"Ich möchte mit Ihnen über etwas reden." Sisko sprach langsam, gedankenvoll und wog seine Worte ab. "Major, ich mache mir Sorgen um Odo."

"Odo? Wieso?" Kira starrte Sisko alarmiert an. Ihr Gesicht errötete. "Hat er - was über gestern Abend gesagt?"

"Nein, nein - was war denn gestern Abend?"

"Nichts Besonderes." Kira biss sich auf die Unterlippe und wünschte, sie hätte den Mund gehalten. Schließlich gestand sie: "Meine Hormone sind ganz schön außer Kontrolle geraten gestern Abend, und ich habe möglicherweise - liebebedürftig gewirkt. Ich habe schon befürchtet, dass Odo das falsch interpretiert hat."

"Lassen Sie mich das klarstellen, Major - haben Sie ihn angemacht?"

"Nein, nicht - wirklich." Kira seufzte und fuhr widerwillig fort: "Ich habe nur etwas gesagt, das - ein wenig unpassend war - es ist mir einfach so rausgerutscht. Odo wusste das."

"Nerys, dies geht mich eigentlich nichts an, außer, dass es einen meiner Offiziere betrifft - zwei meiner Offiziere, wenn wir Sie mitzählen."

"Captain, wovon sprechen Sie eigentlich?"

"Nerys, ich glaube, Odo hat sich in Sie verliebt - und ich fürchte, wenn sich die Situation so weiterentwickelt wie bisher, wird es damit enden, dass das Ganze eine negative Auswirkung auf seine Arbeit haben wird - vielleicht bis zu dem Punkt, dass ich mich schließlich dem Druck beugen und ihn als Sicherheitschef ablösen muss."

"Wovon reden Sie überhaupt?" platzte Kira heraus. Sie hörte sich fast ängstlich an. "Odo - Odo kann sich doch nicht in mich verliebt haben! Er ist - er ist -" Kira starrte Sisko hilflos an.

"Er ist ein Wechselbalg. Aber er ist ein Wechselbalg, der erzogen worden ist, zu denken und zu handeln wie ein Bajoraner."

"Nun, ja, aber -" Kira verstummte plötzlich, als ihr Bruchstücke ihrer Unterhaltung mit Odo am vorletzten Abend einfielen.

'Alle scheinen zu vergessen, dass - ich konditioniert wurde - aufgezogen, wenn Sie so wollen - ein Bajoraner zu sein. Meine Lehrer waren Bajoraner, alle Personen, mit denen ich engeren Kontakt hatte, waren Bajoraner. Meine - Gefühle, meine emotionellen Reaktionen - sind die eines Bajoraners.' Da hatte es letzte Nacht auch einen kurzen Moment gegeben, in dem sie gedacht hatte, er würde sie küssen, als seine Fingerspitzen quälend kurz über ihre Wange gestrichen waren. Die Traurigkeit in seiner Stimme, als er bestätigt hatte, dass Kira ihre erschreckend verführerische Bemerkung nicht wirklich ernst gemeint hatte. Seine Ansichten über Einsamkeit und darüber, dass er das Gefühl hatte, eine Familie zu haben, wenn er mit ihr zusammen war. Die überwältigende und gründliche Weise, in der er alle diese Monate für sie gesorgt hatte, während die meisten ihrer Freunde schon förmlich zusammengezuckt waren, wenn sie sie nur von Weitem gesehen hatten. Dieses Umsorgen, das man von einem Geliebten erwarten würde - oder einem Ehemann.

'Wissen Sie was, Odo, Sie würden für eine Frau einen wunderbaren Ehemann abgeben.' Sogar das hatte sie zu ihm gesagt - und war mit Blindheit geschlagen gewesen für seinen plötzlich betroffenen Blick, außer dass sie gedacht hatte, dass er angesichts dieser Idee alarmiert war. Trotzdem, vielleicht war er ja alarmiert gewesen... Kira unternahm einen letzten, verzweifelten Versuch, die Wahrheit zu ignorieren. "Captain, ich meine immer noch, dass Sie keinen Grund zu der Annahme haben -"

"Major, erinnern Sie sich daran, als Shakaar hier auf der Station war und der Turbolift, in dem Sie mit ihm und dem Constable unterwegs waren, sabotiert wurde?"

"Natürlich erinnere ich mich - es wäre schwierig, so etwas zu vergessen."

"Haben Sie sich nie nach den Einzelheiten des Vorfalls gefragt - wie ein cardassianischer Extremist an die Sicherheitscodes kommen konnte, die nötig sind, so etwas zu tun - oder waren Sie zu beschäftigt damit, sich 'zu verlieben'?"

"Ich - ich bin einfach davon ausgegangen, dass Odo in der Sache ermittelt und sich um alles gekümmert hat."

"Major, Odo war derjenige, der das Ganze erst möglich gemacht hat! Was auch immer zu dem Zeitpunkt im Turbolift vorgegangen ist, er war dadurch so abgelenkt, dass er demjenigen, den er für Worf hielt, die Kontrolle übergeben hat, ohne sich vorher den Sicherheitscode bestätigen zu lassen!"

"Odo?" Kira starrte Sisko an und fühlte, wie die letzten Überreste ihres Widerstandes zerbröckelten. "Odo würde nie -"

"Genau das habe ich auch gedacht, Major. Trotzdem, er hat mir selbst gesagt, dass genau das passiert ist. Als er mir erklärte, es handele sich um eine persönliche Angelegenheit, habe ich nicht in ihn gedrängt. Kurz darauf schien er es unter Kontrolle bekommen zu haben, obwohl mir interessante Schilderungen sein Quartier betreffend zu Ohren gekommen sind."

"Sein Quartier?"

Sisko nickte. "Sie wissen doch, dass Dax sich ab und zu hineinschlich und seine Möbel umstellte, während Odo regenerierte?"

Kira lachte leise schnaubend auf und schüttelte den Kopf. "Um 'ihn etwas aufzulockern', wie sie es nannte."

"Etwa eine Woche nach Shakaars Besuch hat sie einen ihrer Überfälle gestartet - und sie fand Odos Quartier in Trümmern vor."

Kira saß völlig still da. Sie dachte an den Mann, der ihr in ihrem Quartier gegenüber gestanden und ausgesehen hatte wie der Überbringer schwerwiegender Nachrichten, um dann nichts zu tun als ihre Treffen Dienstagmorgens abzusagen. Und mich fast völlig aus seinem Leben auszuschließen, bis ich schwanger wurde und Edon sich als wertloser erwies als ich gedacht hatte. Schließlich sah sie zu Sisko hoch und nickte langsam.

"Vielleicht haben Sie Recht." Kira stand schwerfällig auf und ging zum Replikator. "Ingwertee, extra stark, extra heiß", forderte sie. Dann stand sie für einen langen Moment da und starrte auf den Becher in ihrer Hand.

"Es tut mir Leid, Nerys - ich dachte wirklich, das sei etwas, das Sie wissen müssten."

"Sie haben Recht", sagte Kira kurz. "Ich muss mit ihm reden."

"Seien Sie nur - diplomatisch. Weisen Sie ihn behutsam ab."

Kira blickte den Captain aus verengten Augen an. "Warum nehmen Sie überhaupt an, dass ich ihn abweisen werde?" fragte sie.

"Ich verstehe." Sisko lächelte schwach. Kira starrte ihn ernst an.

"Edons Beitrag zu dieser Schwangerschaft war ziemlich minimal, wenn man es genau betrachtet. Er hat nur - die Farbe geliefert."

"Die Farbe?"

"Ein Künstler fertigt nicht seine eigene Farbe oder seinen Ton an - er nimmt das Rohmaterial und macht daraus etwas Anderes - ein Kunstwerk, wenn er Glück hat. Edon hat nur die Farbe geliefert - Odo..."

"-ist der Künstler?" fügte Sisko sanft hinzu.

Kira nickte mit düsterer Miene. "Ich fürchte, ich hätte dieses Baby bei mindestens fünf verschiedenen Gelegenheiten abtreiben lassen, wenn Odo nicht gewesen wäre - und es hätte mich umgebracht, wenn ich es getan hätte. Ich habe zuviel Tod gesehen - ich habe selbst zuviel Tod verursacht - um so etwas tun und danach damit leben zu können. Immer wenn ich zu deprimiert war - wenn ich schrie, dass ich es nicht allein durchstehen könnte - hat Odo meine Hand genommen und gesagt: 'Es ist schon gut, das müssen Sie doch gar nicht - ich bin ja da'. Und das war er auch, für alles - bei den Propheten, er hat meinen Kopf gehalten, als ich mich zwei Stunden am Stück übergeben habe, wie es mir schien. Wenn man alle Motivationen und Verhaltensweisen bedenkt, ist Odo - ist er der Vater dieses Kindes." Kira zwang den Geist eines Lächelns hervor. "Er hat es nur noch nicht mit seinem Namen unterzeichnet."

Sisko lächelte. Er sah verwirrt aus. Kira fügte hinzu: "Das ist ein bajoranischer Ausdruck - er verliert viel durch die Übersetzung. Jedenfalls vielen Dank, Benjamin - ich werde heute noch mit Odo reden. Ich bin sicher, irgendwie werden wir diese Sache hinbekommen..."

space

Ein Vorfall im Quark's, in den zwei Boleaner, ein Klingone und ein Dabo-Mädchen am Rande der Erschöpfung beteiligt waren führte dazu, dass Odo an diesem Abend verspätet in Kiras Quartier eintraf - er ließ sich leise hinein und war darauf vorbereitet, ebenso leise wieder zu verschwinden, falls sie schon eingeschlafen wäre. Der äußere Raum ihres Quartiers lag im Dunkeln - Odo wollte schon wieder zur Tür hinausgehen, als die Schlafzimmertür sich öffnete und er Kira sah, deren Umriss sich in dem Licht klar abzeichnete, das aus dem Raum hinter ihr fiel.

"Kommen Sie nur herein", rief sie. In ihrer Stimme lag eine unerwartete Spur von Anspannung. Odo durchquerte schnell den Raum in ihre Richtung. Seine Augen waren vor Besorgnis verengt.

"Nerys? Geht es Ihnen gut?"

"Aber ja doch." Kiras Antwort war kurz und bündig. Odo analysierte sorgfältig ihren Ton und dachte - Angst?? Kira fuhr fort: "Kommen Sie und setzen Sie sich zu mir - ich muss mit Ihnen reden."

"In Ordnung." Odo hielt für eine Sekunde inne, als er merkte, dass sie erwartete, dass er sich auf das Bett setzte. Dann kam er vorsichtig zu ihr. Der Ausdruck seiner Augen genügte, um Kira sagen zu lassen: "Was ist los, Odo? Sie sehen aus - ich weiß auch nicht, als ob sie noch nie zuvor ein Bett gesehen hätten."

"Natürlich habe ich schon ein Bett gesehen", sagte Odo kurz. "Aber außer ein paar Mal auf der Krankenstation habe ich noch nie auf einem gesessen."

"Ach so." Kiras Augen weiteten sich etwas, bevor ein Lächeln in ihren Winkeln Fältchen bildete. "Wenn man darüber nachdenkt, hatten Sie auch noch nie zuvor einen Grund, sich auf eins zu setzen." Der Ausdruck ihrer Augen war sowohl voller Wärme als auch Spannung, und Odo fühlte einen kleinen Anfall von Besorgnis.

"Sie sagten, Sie müssten mit mir reden."

Kira nickte. "Dies wird vielleicht nicht ganz leicht für mich sein, deshalb lassen Sie mich bitte ausreden."

"In Ordnung." Odo starrte in Kiras angespanntes, jedoch lächelndes Gesicht. Die Angst kam aus dem Nichts und prallte mitten in sein Herz. "Vielleicht sollten Sie damit anfangen, mir einen generellen Überblick zu geben, worum das Ganze geht."

"Es geht nur darum, dass -" Kira holte tief Luft und fuhr fort, "-ich nachgedacht habe, und es ist mir in den Sinn gekommen, dass, außer was den willkürlichen Akt angeht, der es hat entstehen lassen - Sie der Vater meines Babys sind."

"Nerys, ich -" Odo war entsetzt, als er hörte, wie er stammelte. "Ich habe - versucht, Ihnen so weit wie möglich behilflich zu sein, aber -"

"Schhh... lassen Sie mich ausreden." Kira hob eine Hand und berührte mit ihren Fingerspitzen Odos Mund. "Vertrauen Sie mir -- das ist die Wahrheit. Das Entscheidende ist - ich glaube, ich bin bereit, es Sie mit Ihrem Namen unterzeichnen zu lassen."

Odo starrte sie wie betäubt an, als er diesen ihm bekannten Ausdruck hörte. Kira schenkte ihm ein kleines Lächeln. "Ich glaube, Sie sind wirklich ein echter Bajoraner, wenn Sie das kennen", sagte sie sanft.

"Sie wollen, dass ich mit Ihnen schlafe?" Es kam als raues Flüstern hervor, eine Forderung nach Aufklärung, mehr nicht. Odo fühlte, wie seine Gestalt sich ein kleines bisschen auflöste vor Schock und kämpfte darum, sich zu fassen, und die Schicht, die sich auf seinem Gesicht gebildet hatte, wieder zu absorbieren.

Kira zwang sich, Odo gelassen in die Augen zu blicken, obwohl sie angsterfüllt überlegte, ob Sisko nicht vielleicht doch Unrecht gehabt hatte. Odos Miene überzeugte sie jedoch schließlich - obwohl sie zusammenzuckte, als sie den Schmerz darin sah. Sie nickte und sagte leise: "Ja, das möchte ich."

"Nerys -" Odo ergriff Kiras Hände mit seinen und blickte ihr gespannt ins Gesicht. "Warum?"

Das war das Letzte, was sie erwartete hatte, und sie stellte plötzlich fest, dass sie keine Antwort parat hatte, obwohl ihr ihre Argumente so klar erschienen waren. Kira machte eine Pause und stammelte dann etwas, als sie antwortete: "Ich - möchte es - einfach, das ist alles."

Odo wich etwas zurück, und seine Augen verengten sich wegen eines plötzlichen Verdachts. "Hat Captain Sisko heute mit Ihnen gesprochen?"

"An den meisten Tagen spricht Captain Sisko mit mir", wich Kira ihm aus. "Welche Bedeutung sollte das haben?"

"Bei den Propheten", flüsterte Odo. "Sie haben Mitleid mit mir." Er ließ Kiras Hand fallen, stand ruckartig auf und starrte entsetzt auf sie herab.

"Nein!" keuchte Kira und schüttelte in heftiger Verneinung den Kopf. "Das ist es nicht - eigentlich sollten Sie mich besser kennen!"

"Wollen Sie mir dann erzählen, Sie hätten sich in mich verliebt, Major? Ganz offen gesagt hätte ich nämlich so meine Schwierigkeiten damit, Ihnen das zu glauben."

"Nein - ich weiß auch nicht genau, was ich für Sie empfinde, Odo - außer der Tatsache, dass ich Sie sehr lieb habe. Aber ich weiß nicht, ob ich in Sie verliebt bin - und ich hatte gehofft, das herausfinden zu können."

"Wollen Sie mir damit sagen, dass Sie es sich zur Gewohnheit gemacht haben, mit Leuten ins Bett zu gehen, bei denen Sie nicht sicher sind, was Sie für sie empfinden - nur um das herauszufinden?" Odos Stimme troff nur so vor Sarkasmus. Kiras Gesicht wurde weiß.

"Allerdings - ja", sagte sie voller Schärfe. "Ich war im Widerstand seit ich zwölf war -- zu viele Leute starben, und das viel zu schnell, als dass man hätte warten können bis man sicher war, ob man jemanden, für den man viel empfand, auch tatsächlich liebte, bevor man mit ihm schlief. Man tat es einfach und hoffte, dass der Blitz einschlüge. Meistens passierte das nicht, ab und zu jedoch schon. Aber man blieb immer auch Freunde und man teilte miteinander, so viel man konnte, weil man einander sehr lieb hatte und der Andere am nächsten Tag bereits tot sein konnte." Kira stieß einen kleinen Seufzer hervor und presste ihre Faust fest auf ihren Mund. Odo wollte schon eine Hand nach ihr ausstrecken, als seine Miene sich wieder verhärtete.

"Sie haben mehrere gute Freunde auf dieser Station, Major. Soll das heißen, dass Sie mit Captain Sisko - mit O'Brien - mit Dax schlafen werden? Oder haben Sie die schon von Ihrem Spielfeld eliminiert?"

Kira stand langsam auf, holte mit einer Hand aus und versetzte Odo einen harten Schlag auf das Kinn.

Sie erschrak, als sie fühlte, wie seine Wange unter ihrer Faust nachgab - sie erschrak noch mehr, als sie sah, wie Odo mit geschlossenen Augen zitternd zusammenbrach und auf seine Knie fiel. Sie machte sich keine Illusionen darüber, dass es die Kraft ihres Hiebes gewesen sein könnte, die ihn zu Boden geworfen hatte - sie war einige der Wenigen auf der Station, die eine klare Vorstellung davon hatten, wie stark der Wechselbalg in Wirklichkeit war. Sie sank neben ihm auf die Knie und schenkte der Tatsache, dass sie nie wieder ohne Hilfe würde aufstehen können, nur die allergeringste Beachtung.

"Nerys -" krächzte er, "es tut mir Leid."

"Es ist schon in Ordnung", wisperte Kira, legte ihre Arme um ihn und lehnte sich an seine Schulter. "Ich - wollte, ich wüsste, was ich sagen soll. Ich wusste nicht, was Sie empfanden." Sie machte eine Pause. "Eigentlich weiß ich es immer noch nicht."

"Woher sollten Sie auch? Ich hatte nie den Mut, es Ihnen zu sagen." Odo sammelte sich langsam wieder, und seine Stimme klang schon fast wieder normal. Die Worte kamen leise, schlicht. "Aber - für's Protokoll - ich - liebe Sie."

"Wenn Sisko das sehen konnte, hätte ich es auch sehen sollen." Kira hob ihre Hand an Odos Stirn und strich sein Haar zurück.

"Ich habe noch schlimmere Neuigkeiten für Sie." Odo gelang die Spur eines Lächelns. "Sogar Quark hat es gesehen."

"Nein."

"Ich fürchte, doch."

Kira schüttelte amüsiert und verblüfft den Kopf und bemerkte plötzlich, dass Odos Mund dem ihren sehr nah war. Sie holte einmal Luft, schloss die Augen - und konnte ein Keuchen kaum unterdrücken, als Lippen die ihren bedeckten. Der Kuss war leicht - sanft - unerfahren, jedoch irgendwie etwas absolut Besonderes. Dann wich Odo zurück.

"Lass mich dir aufhelfen."

Odo stellte sich hinter Kira und hob sie mühelos hoch. Dabei bleiben seine Hände kurz an ihrer Taille, bevor er beiseite trat.

"Hast du gegessen?" fragte er leise. "Soll ich dir etwas machen?"

Kira schüttelte den Kopf. "Nein, ich habe schon etwas Has'barak gehabt - Dax hat es vorbeigebracht." Sie drehte sich so, dass sie ihre Hand auf Odos Brust legen konnte. Ihre Augen blickten suchend in sein Gesicht. "Ich wünschte, du würdest bleiben. Du brauchst nicht mit mir zu schlafen - bleib' einfach bei mir."

"Ich kann nicht", flüsterte Odo. "Wenn ich bei dir bleibe, dann werde ich auch mit dir schlafen - aber morgen werde ich nicht glücklich darüber sein."

"Morgen..." Kiras Augen weiteten sich erschrocken. "Morgen soll ich mich doch mit Edon treffen. Ich weiß nicht, ob ich das will."

"Ich glaube, du musst es", sagte Odo sanft. "Und ich habe immer noch vor, dich hinzubringen."

Kira starrte Odo an und war bestürzt über das Gefühl von Zärtlichkeit, das in ihrer Brust pochte. "Weißt du, " sagte sie schwach, "vielleicht bin ich gerade dabei, mich in dich zu verlieben."

"Das wäre - schön", gestand Odo, "aber ich glaube, du solltest dich erst mit Edon treffen, bevor du dir da sicher sein kannst."

Kira nickte. "Vermutlich hast du Recht", gab sie zu. Sie legte die Arme in einer kurzen Umarmung um Odo und schob ihn dann sanft in Richtung Tür. "Meine Hormone spielen immer noch verrückt - du solltest besser machen, dass du hier herauskommst."

"Gute Nacht, Nerys." Odo nahm Kiras Hand kurz in seine, dann drehte er sich um und ging mit seinem gewohnten, effizienten Tempo. Kira sah ihm nach, als er fortging, legte ihre Hand auf ihren Bauch und streichelte ihn langsam.

"Du hast ihn auch lieb, nicht wahr, mein Kleines?" fragte sie leise. "Ich ja auch - ich hoffe nur, dass das genug ist."

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"Uff!" Kira kehrte gerade von ihrem zigsten Besuch in einer gewissen, viel zu kleinen Kabine in der Hintersektion des Runabout Rubicon zurück und ließ sich mit einem Seufzer in einem der Schalensitze für Passagiere nieder, dessen 'Schale' ihren Körperformen nicht mehr annähernd so gut angepasst war wieder früher. Odo, der im Pilotensessel saß, blickte leicht lächelnd zu ihr hinüber.

"Bist du in Ordnung, Nerys?"

"Mir geht es gut - obwohl ich einige Beschwerden an die Sternenflotte richten werde bezüglich der Größe der Toiletten, die sie in diesen Dingern hier einbauen." Kira machte ein Pause, bevor sie gestand: "Ich habe letzte Nacht nicht gut geschlafen."

"Ich verstehe." Odo starrte betont geradeaus und überprüfte den Bildschirm. "War es das Baby - das Treffen mit Edon - oder ich?"

"Von allem etwas."

"Keine sehr gute Nacht," beobachtete Odo. "Warum versuchst du nicht, jetzt ein Nickerchen zu machen?"

"Daran hatte ich auch schon gedacht", pflichtete Kira ihm bei. Sie schenkte ihm ein müdes Lächeln, schloss die Augen und lehnte sich in ihrem Sitz zurück. Odo veränderte sein Gehör so, dass er das Geräusch ihres Atems hören konnte. Seine empfindlichen Sensoren hörten jede Nuance, bis er sicher war, dass sie schlief. Das leise Geräusch wirkte beruhigend, fast hypnotisierend - für einen allzu kurzen Moment war alles auf der Welt in Ordnung. Dann prallten sie auf die Ionen-Falte, und die Hölle brach los.

Solch winzige Anomalien waren ganz gewöhnliche Vorkommnisse, die normalerweise unbemerkt blieben, es sei denn, man hatte das Pech, gerade dort zu sein, wo sie entstanden. Die Rubicon befand sich genau in der Mitte einer dieser Anomalien, und Odos Finger flogen verzweifelt über die Navigationskonsole bei dem Versuch, das plötzliche Bocken des Schiffes zu stabilisieren. Kira flog aus ihrem Sitz, bevor sie noch ganz erwacht war und landete auf dem Boden daneben - eine extrem harte Landung.

"Nerys!" Seine Augen weiter auf die Konsole geheftet, zwang sich Odo, ruhig zu bleiben. "Bist du in Ordnung?"

"Mir geht's gut - was ist los?" Mit einem Akt schieren Willens kroch Kira zu ihrem Sitz zurück und benutzte ihn dazu, sich aufzurichten.

"Ionen-Falte - kam aus dem Nichts."

"Lass mich die Kontrollen übernehmen - ich bin sehr viel routinierter in rauen Flügen als du."

Odo nickte und stand auf. Es gelang ihm, Kira im Pilotensessel unterzubringen, bevor er sich selbst in den Sitz fallen ließ, den sie gerade frei gemacht hatte. Er studierte die Sensor-Werte des Schiffes aufmerksam.

"Es ist ziemlich ausgedehnt - ich weiß nicht, wieviel von dieser Schaukelei wir noch vertragen."

"Dann müssen wir hier herauskommen und landen. Wo sind wir?"

Odo las die Koordinaten ab. "Gute Neuigkeiten - wir sind direkt über der Dakhur-Provinz."

"Noch besser - wir sind praktisch über Lupaza. Ich werde uns ganz in ihrer Nähe runterbringen."

Kira steuerte das Runabout mit ihrer gewohnten, mühelosen Geschicklichkeit, und Odo begann, entspannter zu atmen, als er sah, dass der Sturz ihr scheinbar nichts ausgemacht hatte. Sie brachte das Runabout in stürmischem, sintflutartigen Regenwetter - zweifelsohne durch die atmosphärischen Störungen noch verstärkt - herunter und landete es mit etwas holpriger Effizienz auf einem steinigen Plateau, das an beiden Seiten von Steilhängen flankiert war. Sie blickte lächelnd hinüber zu Odo.

"Bei den Propheten, das hat sich gut angefühlt." Auf Odos fragendes Starren hin fügte sie an: "Ich habe mich seit Monaten nicht so - so kompetent gefühlt und so, als ob ich alles unter Kontrolle hätte." Kira stieß ein glückliches Lachen aus, bevor ihre Miene sich abrupt veränderte. Sie blickte an sich herab, und ein entsetzter Ausdruck trat in ihr Gesicht.

"Odo", sagte sie verkrampft, "die Fruchtblase ist gerade geplatzt."

"Was?!" Odo hatte sich mit den Sensor-Anzeigen beschäftigt. "Das kann nicht sein - es ist zu früh. Bist du sicher, dass du nicht einfach nur -"

"So aufgeregt war ich nun auch wieder nicht. Odo. Nee - es geht los."

"In Ordnung -" Odo versuchte, ruhig zu bleiben. "Wo ist die nächste medizinische Einrichtung?"

"Im näheren Umkreis gibt es keine - L'met City, denke ich."

"Schön. Sie sollten in der Lage sein, einen Arzt herzubeamen."

"Sie sind nicht sehr gut ausgerüstet", kommentierte Kira. "Erstmal möchte ich zu Lupaza - ihr Haus dürfte nur einige hundert Meter von hier entfernt sein, über diesen Hügelkamm." Sie tippte auf die Anzeigen auf ihrem Bildschirm.

"Ich werde Kontakt mit der Station aufnehmen." Odo tippte auf ein paar Felder, dann überprüfte er die Anzeigen auf seiner Konsole und runzelte die Stirn. "Es muss die Ionen-Interferenz sein - sie antworten nicht auf mein Signal."

"Wir können versuchen, eine Subraumverbindung von Lupaza aus herzustellen." Kira stand auf und krümmte sich, als die erste Wehe sie durchfuhr. "Scheiße!" rief sie aus. "Das tat weh! "

"Kannst du gehen?"

"Natürlich kann ich gehen. Die nächste Wehe sollte erst in -" Kira keuchte, und zum ersten Mal sah sie ängstlich aus. "Odo - hier fühlt sich was nicht richtig an."

"Es sollte sich auch nicht richtig anfühlen, es ist zwei Monate zu früh." Odo reichte unter ein Paneel, ergriff das Med-Kit des Runabout und befestigte es an dem Gürtel, den er plötzlich wieder 'trug'. "Leg' die Arme um meinen Hals, ich hebe dich hoch und trage dich."

"Bis zu Lupaza? Das kannst du doch nicht!"

"Natürlich kann ich. Nun mach schon."

Seufzend tat Kira, was er gesagt hatte und war überrascht, wie mühelos er sie in seinen Armen hochhob und sie ohne Anstrengung an seine Brust bettete. "Geht das so?" fragte Odo. "Ich kann mich in etwas Anderes wandeln, wenn du meinst, dass es dann einfacher wäre."

"In was zum Beispiel?" Kira konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. "Ein terranisches Kamel?"

"Lieber nicht." Odo lächelte seinerseits. "Ich habe gehört, dass sie nicht sehr bequem sind." Er hielt einen Moment inne, bevor er das Runabout verließ. "Sei gewarnt, Major - wir werden nass. "

"Das macht nichts", versicherte Kira ihm, "das bin ich schon."

Odo trug sie mit zügiger und trittsicherer Effizienz über den Hügelkamm zu Lupazas Hütte - Kira erwog die Möglichkeit, seine Füße zu überprüfen, um zu sehen, ob er sie in die einer Ziege gewandelt hätte oder in etwas, das für das zerklüftete Terrain besonders geeignet war. Er rief durch das Getöse des Wolkenbruchs, als sie sich der Hütte näherten. Lupaza, Kiras Kameradin aus dem Widerstand, traf sie an der Eingangstür mit vor Verblüffung geweiteten Augen.

"Nerys!" keuchte sie. "Was um - kommt rein, alle beide!" Lupaza drängte Odo und seine triefende Last durch die Tür, die sie hinter ihnen wieder zuzog.

"Wir mussten notlanden", erklärte Odo kurz. "Major Kira hat Wehen."

"Oh, im Namen der - bringen Sie sie hier herüber. Ich werde anheizen. Und dann lassen Sie mich sie aus diesen nassen Kleidern herausbekommen." Lupaza machte sich an die Arbeit wie ein Dynamo. Odo wandte seinen Blick ab und beschäftigte sich damit, den Inhalt des Med-Kits auf dem Tisch auszubreiten, bis Kira in ein weites Gewand von Lupaza gehüllt war und ausgestreckt auf Lupazas Bett lag. Die betrat wieder den Hauptraum der Hütte und durchquerte ihn mit ausgestreckter Hand.

"Kira sagt, Sie seien Odo. Ich bin Lupaza."

"Das hatte ich mir schon gedacht", bestätigte Odo, nahm die dargebotene Hand und schüttelte sie kurz. "Ich habe ein Med-Kit hier, aber sie braucht einen Arzt."

"Ich weiß - ich habe eine Nachricht an den Premierminister gesendet - obwohl nur die Propheten wissen, wann er tatsächlich hier ankommt - und ich versuche, eine Nachricht an eure Station durchzubekommen."

"Gibt es niemanden hier in der Nähe?" Odo starrte Lupaza perplex an.

"Im Norden, in der R'Mel-Provinz, hat es heute eine große Explosion in einer Mine mit mehreren Hundert Verletzten gegeben - ich bezweifle, ob es in den drei benachbarten Provinzen noch irgendwelches medizinisches Personal gibt."

"Dann holen Sie welches von der anderen Seite des Planeten! Sagen Sie ihnen, dass es um das Baby des Premierministers geht, das sollte wohl Aufmerksamkeit erregen!"

"Ich werde es versuchen. Aber bei diesem Wetter könnte es allerdings sein, dass keine Transporter arbeiten. Es wäre möglich, dass euer Doktor schneller hier sein kann."

"In Ordnung. Lassen Sie mich Nerys mit diesem Med-Scanner untersuchen, damit ich ihm einige Anfangsdaten übermitteln kann."

Lupaza nickte. "Sie wissen doch sicher, dass Bajoranerinnen von Natur aus sehr kurze Wehenphasen haben, oder?"

Odo nickte. "Ich glaube, das habe ich gelesen. In Ordnung, wir werden schon mit allem fertig werden. Kommen Sie." Er ging ins Schlafzimmer, gefolgt von Lupaza. Kira lag mit geschlossenen Augen auf dem Bett. Sie atmete oberflächlich und schnell.

"Nerys." Odo legte ihr sanft eine Hand auf die Stirn. Kira umklammerte sie mit stahlhartem Griff.

"Odo - es ist nicht - es tut nicht so weh, wie es sollte. Ich weiß nicht, was los ist, aber etwas stimmt nicht."

"Schon gut - wir werden so bald wie möglich einen Arzt hier haben. Lass mich nur einen schnellen Scan von dir machen..." Odo fuhr mit dem Med-Scanner langsam über Kira und studierte die ungewohnte Anzeige mit verengten Augen. Plötzlich weiteten sie sich, und er zog die Decke weg, die Kira über sich gezogen hatte.

Das Gewand, das sie trug und das Laken unter ihr waren hellrot vor Blut.

"Ihr Propheten..." flüsterte Lupaza.

Odo behielt einen ruhigen, gleichmäßigen Ton bei. "Ich werde Kontakt aufnehmen mit Dr. Bashir und ihm diese Werte übermitteln, Nerys, falls er irgendwelche Vorschläge hat - ich bin sofort zurück." Sanft befreite er seine Hand, auf der deutliche Abdrücke von Kiras Finger zu sehen waren. Dann führte Odo Lupaza in die Nähe der Tür.

"Versuchen Sie, sie zu beruhigen. Ich muss mit Dr. Bashir sprechen - könnten Sie mir Ihren Komlink zeigen?"

Lupaza deutete auf ein Gerät in der Ecke. Odo ging schnell die Kanäle durch, die er brauchte, um eine Nachricht der Dringlichkeitsstufe Eins zu senden. In weniger als fünf Minuten blickte er in Dr. Bashirs besorgtes Gesicht.

"Odo! Dies kam mit Dringlichkeitsstufe Eins -- was ist los?"

"Wir mussten notlanden - Kira hat Wehen. Nur blutet sie weit mehr als sie sollte - ich werde die Werte des Med-Scanners jetzt an Sie übermitteln."

Odo überspielte die Werte, ohne dass sein Blick sich von Dr. Bashirs Gesicht abwandte. Julians Miene war ernst, als er die Werte fertig studiert hatte.

"Wie schnell werden Sie einen Arzt dorthin bekommen können, Odo?"

"Das ist es gerade - so wie das Wetter ist, könnte es noch Stunden dauern."

"Ich komme natürlich selbst so schnell ich kann, aber das wird auch mindestens drei Stunden dauern. Das Problem ist, die Plazenta hat einen Riss - das verursacht die Blutung - und das Baby liegt in Steißlage - zum Teufel, es ist noch nicht einmal eine richtige Steißlage, das kleine Scheißerchen hat sich auf die Seite gedreht. Wenn das Baby erst einmal geboren ist, wird es nicht schwierig sein, die Blutung zu stoppen - aber wenn es nicht schnell geboren wird -" Bashir machte eine Pause. "Wenn es nicht schnell geboren wird, Odo, dann könnte Nerys leicht verbluten."

"Lupaza hat gesagt, dass Bajoranerinnen meist kurze Wehenphasen haben", bot Odo hoffnungsvoll an, ohne wirklich Hoffnung zu haben.

"Das stimmt, unter der Bedingung, dass sie die Schwangerschaft bis zum Termin ausgetragen haben und dass das Baby mit dem Kopf nach unten liegt, so wie es sollte. Ich würde einen Kaiserschnitt durchführen, aber wenn Sie nichts als das Med-Kit für Notfälle aus dem Runabout haben, sind Sie kaum für so eine Operation ausgerüstet, auch wenn ich Ihnen die nötigen Anweisungen geben würde. Vielleicht, wenn Sie sie umdrehen würden - das könnte das Baby dazu bringen, seine Position zu verändern - aber wenn es das nicht täte, könnte es die Blutung verstärken..." Bashir sprach halb zu sich selbst und dachte fieberhaft nach.

"Doktor", sagte Odo langsam, "wenn das Baby in der richtigen Position wäre, meinen Sie, wir könnten es dann zur Welt bringen?"

"Oh, das glaube ich schon", sagte Bashir. "So wie die Werte aussehen, hat der Muttermund sich schon fast vollständig geweitet - Bajoranerinnen sind dabei sehr tüchtig. Es ist die Steißlage, die das Problem verursacht."

"Doktor - wenn Sie mir Anweisungen geben - sich vergewissern, dass ich tue, was getan werden muss - dann kann ich das Baby in die richtige Position bekommen, glaube ich."

"Wie?" Bashir sah Odo scharf an.

"Lassen Sie mich einfach sagen, dass - meine Fähigkeiten sonderbar gut geeignet sind in dieser Situation. Ich brauche nur Ihre Hilfe, um sicherzugehen, was es ist, das ich erfühle, wenn - wenn ich erst mal da drin bin."

Bashir nickte langsam. "Natürlich - Sie können sich so formen, dass Sie tatsächlich in sie hineingreifen und das Ungeborene drehen können. Ja, das könnte klappen - also, stehen Sie nicht nur so da herum! Waschen Sie sich die Hände mit Desinfektionsmittel und fangen Sie an!"

Nach einer schnellen Begegnung mit dem Desinfektionsmittel trat Odo wieder ins Schlafzimmer. "Lupaza, könnten Sie den Komlink in diesem Raum aktivieren?" fragte er. Lupaza nickte und sah dabei zu, wie Odo sich Kira näherte, die mit weißem Gesicht auf dem Bett lag. "Nerys, " sagte Odo sanft, "du musst jetzt deine Knie zur Brust hochziehen und deine Beine so weit wie möglich spreizen."

"Ich habe doch schon - letzte Nacht angeboten, das zu tun, " flüsterte Kira und kam seiner Bitte nach. Odo schob das Gewand zur Seite, schloss sein Augen und ließ die Sensoren in seinen Händen die Führung übernehmen. Er wandelte seine Hände in ihre gelähnliche Form und ließ sie zwischen die blutigen Falten von Kiras Schamlippen in ihre kontrahierende Scheide gleiten. Hitze und Infrarot machten die Bilder überraschend klar, als er sich durch ihren geweiteten Muttermund in die Wärme der Gebärmutter dahinter manövrierte.

Da ist ja der kleine Störenfried, dachte Odo trotz seiner Ängste mit einem sonderbaren Anfall von Freude, als seine Substanz zwischen die Wand von Kiras Gebärmutter und dem Bewohner glitt, der sie so gänzlich ausfüllte. Überhaupt nicht in Eile, zur Welt zu kommen - nun, es wird Zeit, dass du das doch tust, junge Dame. Ein Mädchen, dachte er, es ist ein Mädchen. Kira hatte es nicht wissen wollen, aber Odo hatte sich insgeheim gewünscht, es zu wissen. Dann komm mal her - Er stupste das Baby sanft an in zarten, flüssigen Bewegungen, die wie Wellen waren, die beharrlich Sand wegspülten und begann so, den Kopf von Kiras Tochter abwärts in Position zu manövrieren.

"Was auch immer Sie tun, versuchen Sie, die Nabelschnur nicht zu verheddern", hörte er Bashir sagen, "und sehen Sie zu, dass sie sich nicht um den Hals des Babys legt. Wie geht es voran?"

"Das ist eine gute Frage", bemerkte Kira keuchend. Ihre Augen waren aufgerissen vor Panik.

"Nerys, du bist in Ordnung", versicherte Odo ihr unwillkürlich. Da sind wir. Ob du bereit bist, Welt, oder nicht, hier kommt sie! "Lupaza", sagte Odo leise, "halten Sie sich bereit, die Nabelschnur zu durchtrennen."

"Was?" Lupaza ergriff das Laserskalpell des Med-Kits und schaffte es, es zu aktivieren, ohne sich dabei die Hand abzuschneiden, während Kiras Tochter auf die Welt glitt. Odo erinnerte sich wieder einmal an das, was er gelesen hatte, legte sie sanft auf den Bauch ihrer Mutter und fing an, die winzigen Gliedmaßen zu massieren, während die jüngste Kira ihren ersten Atemzug mit einem überraschend kräftigen Schrei tat. Kiras Gesicht war ein Bild der Verwunderung. Sie streckte ihre Hand aus, um den kleinen Kopf zu berühren. Bashir, der über den Komlink zusah, brach in strahlendes Lächeln aus.

"Odo, Sie haben es geschafft. Machen Sie einen kurzen Scan für mich, damit ich sehen kann -" Bashir studierte die Werte aufmerksam, als Odo seiner Aufforderung nachkam. "Großartig - sie ist absolut gesund - in guter Form, wenn man bedenkt, wie früh sie gekommen ist. Ich bin auf dem Weg - in ein paar Minuten sollte auch die Plazenta da sein - wenn sie kommt, stillen Sie bei Nerys das Blut und machen Sie eine sterile Tamponade - sie müsste ansonsten in Ordnung sein."

"In Ordnung, Doktor." Odos Blick war auf das winzige Persönchen geheftet, dem er gerade auf die Welt geholfen hatte. Es war ein klarer Fall von Liebe auf den ersten Blick.

Nachdem Lupaza sich um die Nabelschnur gekümmert hatte, legte sie das Baby in Kiras Arme. Sie setzte sich hinter Kiras Rücken, um sie zu stützen, während Kira anfing, ihre Tochter zu beglucken und jeden Finger und jede Zehe einer genauen Inspektion zu unterziehen.

"Es ist ein Mädchen." Kira berührte mit einer Fingerspitze das rote, zerknitterte Gesichtchen. "Sie ist wunderschön."

Odo, der gerade anfing, den Anweisungen des Doktors zu folgen, schaute hoch und schenkte Kira ein kurzes Lächeln. "Das ist sie", stimmte er zu. "Aber jetzt, Nerys, musst du dich noch ein bisschen auf mich konzentrieren, denn du hast noch etwas zu erledigen hier unten..." Er arbeitete eine Weile lang stumm, und dann befolgte Kira automatisch seine gemurmelten Anordnungen, während sie und Lupaza leise, lächerliche Laute für das Baby ausstießen. Als Odo schließlich Bashirs sämtliche Anweisungen befolgt und alles Lebensnotwendige versorgt hatte, näherte er sich dem Kopfende des Bettes und fragte: "Wie fühlst du dich?"

"Wunderbar - viel, viel besser", fügte Kira hinzu, da sie erkannte, dass er eine eher medizinische Antwort wollte. "Wie hast du nur - es war, als wenn auf einmal alles ins Lot kam und - da war sie auch schon!"

"Ich bin mir gar nicht sicher, ob du das wirklich wissen möchtest", sagte Odo mit leisem Auflachen. Kira blickte Lupaza fragend an. Die schüttelte nur den Kopf.

"So etwas habe ich noch nie gesehen. Vielleicht haben Sie Ihre Berufung verfehlt, Odo."

"Ich glaube, wir müssten sie jetzt waschen - und dich auch, Nerys, wo wir schon dabei sind."

"Darum kann ich mich kümmern", bemerkte Lupaza. "Kommen Sie und stützen Sie Nerys anstatt meiner, und ich gehe und hole, was wir brauchen."

Odo glitt zögerlich an die Stelle hinter Kira, die Lupaza verließ und seufzte, als Kira sich zurücklehnte und an ihn schmiegte. Lupaza kam im Eiltempo mit den nötigen Utensilien zurück und säuberte sowohl Mutter als auch Tochter, während Odo seine Wange leicht an Kiras Haar legte und dem Vorgang mit einer seltsamen Mischung aus bitterer Trauer und riesiger, unverfälschter Freude zusah. Endlich nahm Lupaza den frisch gewaschenen Säugling auf den Arm und sagte:

"Nerys, du musst aus diesem Kleid heraus - es ist total ruiniert!" Lupaza nickte Odo zu. "Würden Sie das Baby halten, Odo, während ich Nerys dabei helfe, sich gründlich zu waschen?"

Odo starrte sie an, als hätte sie ihn aufgefordert, sich in einen tollwütigen Targ zu verwandeln. Schließlich nickte er, glitt hinter Kira hervor und streckte langsam die Arme aus.

"Stützen Sie ihren Kopf", befahl Lupaza und überreichte ihm das in Decken gewickelte Bündel.

"Ich weiß", flüsterte Odo automatisch, nahm das Baby in seine Arme und hielt es an seinen Brustkorb gedrückt. Kira schaute hinüber zu ihm, während Lupaza ihr aus dem Kleid half, und sie empfand eine so grenzenlose Zärtlichkeit, dass sie fürchtete, ihr Herzschlag würde ihre Brust zum Bersten bringen.

"Odo", rief sie leise, "ich danke dir."

Odo blickte sie aufgeschreckt an - er sah so hochgewachsen und schlaksig aus und seltsam unbeholfen, verglichen mit dem winzigen Bündel, das er im Arm hielt. "Gern geschehen, Nerys." Seine Augen kehrten wie unter Zwang wieder zu dem zerknautschten Gesicht des Babys zurück.

Lupaza sah von Kira zu Odo und zurück zu Kira, bevor sie sich räusperte. "Ich gehe jetzt in den Nebenraum, um einige Anrufe zu machen", sagte sie. "Nerys, ich glaube, es ist Zeit, dass du deinem Baby mal zeigst, wo es seine nächste Mahlzeit herbekommt." Lupaza lächelte und verließ den Raum. Die Tür zog sie hinter sich zu.

Odos Augen weiteten sich, und er trat zögernd ans Bett, um das Baby wieder in Kiras Arme zu legen. "Natürlich - da hast du sie - ich sollte jetzt sowieso gehen und nach dem Runabout schauen -"

"Odo", sagte Kira sanft, "bitte bleib." Als er unsicher neben dem Bett herumlungerte, fügte sie hinzu: "Odo, du hattest deine Hän - du hast mein Kind zur Welt gebracht", verbesserte sie sich. "Ich habe keinerlei Probleme damit, dass du meine Brüste siehst." Sie lächelte und fügte hinzu: "Setz dich hinter mich. Es ist viel einfacher für mich, wenn ich im Moment jemanden habe, an den ich mich anlehnen kann."

Odo beugte sich langsam über Kira und legte ihr das Baby vorsichtig in die Arme. Dann nahm er wieder seinen Platz ein, setzte sich ans Kopfende des Bettes und stützte Kiras Rücken mit seiner Brust. Er wagte sogar, seine Hände leicht auf Kiras Schultern zu legen, während sie tief Luft holte und die Decke zurückschob, die sie bedeckte.

"Ich hoffe, ich weiß, wie man das macht", kommentierte sie. Odo sah sie erschrocken von der Seite her an.

"Ist es denn - schwierig?"

Kira zuckte die Schultern. "Eigentlich sollte es das nicht sein - ich habe es eben noch nie gemacht. Oh, naja - dann mal los." Sie führte den Mund ihrer Tochter an ihre Brustwarze, wo das Baby nichts von dem Zögern seiner Mutter zeigte. Kira entfuhr ein kleiner Seufzer, und ihre Augen schlossen sich zuckend, während ein seliges Lächeln ihre Mundwinkel umspielte.

Odo sah stumm zu. Seine Wange ruhte friedlich an Kiras Haar. Unbewusst ließ er seine Hände ihre nackten Arme hinabfahren bis zu ihren Ellbogen und genoss die Wärme ihrer Haut an seiner. Er hörte ihrem zufriedenen Atmen zu und dem leisen Geräusch, das der hungrige Mund des Babys machte, und er empfand ein Gefühl von Intimität, wie er es noch nie zuvor erfahren, sich in seinen wildesten Träumen nie vorgestellt hatte.

"Hörst du das?" fragte Kira leise in einem Echo seiner eigenen Gedanken. "Sie schlürft. " Kira schüttelte verblüfft den Kopf. "Ich habe keine Ahnung, warum - es ist doch eigentlich noch gar nichts da."

"Ihr scheint es zu gefallen", beobachtete Odo. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. "Und wie ist es mit dir?"

"Es fühlt sich gut an", gestand Kira und lachte ein bisschen. "Sehr - sinnlich, und absolut richtig." Sie drehte Odo ihren Kopf zu, so dass ihre Lippen plötzlich nur wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. "Odo -" Sein Name war kaum mehr als ein Hauch, der über sein Gesicht strich, und Odo ließ wie unter Zwang seine Lippen ganz impulsiv Kiras Mund verschließen. Er schrak, als ihr Mund sich unter seinem öffnete und ihre Zunge eine sanfte Erkundung begann. Sein Kuss wurde intensiver, eine plötzliche, verzweifelte Suche - Odo löste sich keuchend von Kira, und seine Augen wanderten angsterfüllt über ihr Gesicht.

"Entschuldigung - ich wollte nicht -"

"Bitte sag' mir nicht, dass du das nicht wolltest", wisperte Kira, "weil ich es sehr wohl wollte."

"Nein", gestand Odo heiser murmelnd. "Ich wollte es auch."

"Gut." Kira gab ihm einen zweiten, kürzeren Kuss und wandte dann ihre Aufmerksamkeit dem Baby in ihren Armen zu. "Schau mal, sie ist eingeschlafen." Kira unterdrückte ein Gähnen. "Ich kann das gut verstehen - ich selbst bin auch ganz schön müde."

"Kein Wunder", bemerkte Odo. "Du hattest einen harten Tag."

"Das glaube ich auch", stimmte Kira zu. "Würdest du sie ein Weilchen nehmen?"

"Aber natürlich." Odo nahm Kira das Baby aus den Armen und hielt es zunehmend fachmännischer. "Übrigens, wie soll sie heißen?"

"V'lonn, " sagte Kira leise, "nach meiner Mutter."

"V'lonn," wiederholte Odo. "Das ist ein schöner Name." Er legte einen seiner Finger in die Hand des Babys und wurde mit einem überraschend kräftigen Griff belohnt. Odo setzte sich in einen in der Nähe stehenden Sessel, hielt den schlafenden Säugling an seine Brust geschmiegt und sah zu, wie Kira einnickte. Ein Arm lag ausgestreckt auf den Decken, als ob sie nach ihrer Tochter greifen wolle - oder nach ihm, dachte Odo. Zum ersten Mal schien ihm das möglich zu sein, und die Hoffnung strömte durch seine innerste Substanz wie süßer Wein.

Er war in einen gedankenverlorenen Tagtraum voller Glückseligkeit vertieft, als Lupaza den Kopf durch die Tür steckte. "Schläft Nerys?" flüsterte sie.

"Ja." Odo blickte lächelnd auf. Er nickte in Richtung des Babys, das auch fest schlief und seinen Finger immer noch im Griff seiner winzigen Hand hatte. "Ich würde sagen, beide hatten einen anstrengenden Tag."

"Ich könnte mir denken, Sie auch, " beobachtete Lupaza. Sie kam näher, hockte sich neben seinen Sessel und blickte in das Gesicht des Babys. "Bei den Propheten, ist sie schön - hat Nerys schon einen Namen für sie?"

"V'lonn, " sagte Odo leise. "Nach Nerys' Mutter."

"Das ist ein schöner Name." Lupaza streckte die Hand aus und berührte V'lonns feinen Haarflaum, der schon eine entschieden rötliche Farbe hatte. "Sie sieht aus wie Nerys."

Odo besah sich das Bündel, das er hielt, näher. "Woher wollen Sie das jetzt schon wissen? Abgesehen vom Haar?"

"Nun, zunächst einmal wird sie fünf Nasenrillen bekommen - sehen Sie?" Lupaza zählte die kleinen Falten ab. "Nerys hat fünf - Shakaar hat sechs. Ich weiß auch nicht - ich finde einfach, sie sieht wie Nerys aus."

"Das finde ich auch", gestand Odo. "Ich hatte nur angenommen, das käme daher, dass - dass ich den Gedanken nicht ertragen konnte, sie käme nach Shakaar." Etwas an diesem stillen Raum, dem schlafenden Baby und der ruhig lauschenden Frau neben ihm brachte ihn zu diesem ungewöhnlichen Vertrauensbeweis.

"Ich fürchte, er wird jeden Moment hier sein", sagte Lupaza sanft. "Eigentlich bin ich hier hereingekommen, um es Ihnen zu sagen - das Wetter hat aufgeklart, die Transporter müssten wieder funktionieren - er sollte nicht mehr lange brauchen."

"Lupaza", fragte Odo langsam, "was werden die Leute darüber denken, dass der Premierminister ein Kind bekommt von - von einer Frau, mit der er nicht verheiratet ist?"

"Das kommt darauf an," sagte Lupaza, "ob er das Verhältnis legalisiert oder nicht."

Odo schaute sie an. "Sie meinen..."

Lupaza nickte. "Wenn er sie nicht heiratet, könnte es ihn die nächste Wahl kosten. In solchen Dingen sind die Bajoraner ganz schön altmodisch."

"Und es ist wichtig für Bajor, nicht wahr - dass Shakaar Premierminister bleibt?" Odo brachte die Worte nur unter Schwierigkeiten hervor.

"Ja", stimmte Lupaza zu, "aber es ist auch wichtig, dass Nerys glücklich ist." Sie warf Odo einen wissenden Blick zu.

Odo schüttelte den Kopf, und das strahlende Glück in seinen Augen versickerte wie Wasser. "Nerys wird niemals glücklich sein, wenn es schlecht um Bajor steht", sagte er einfach.

"Odo -"

Es gab ein plötzliches, leises Geräusch, als jemand die Hütte betrat, und Odo und Lupaza blickten auf, als Premierminister Shakaar die Tür zum Schlafzimmer öffnete und sich mit besorgter Erregung umsah. Er bedachte die schlafende Kira mit einem kurzen Lächeln, bevor er den Raum durchquerte zu Odo, der das Baby sanft in seinen Armen hielt. Lupaza richtete sich langsam auf, während Shakaar sich auf ein Knie gestützt vor seinem jüngsten Sprössling niederließ.

"Ich kann es kaum glauben", sagte er leise. "Ich - was ist es?"

"Ihr Name ist V'lonn, " teilte Odo ihm kurz mit.

"Ein Mädchen. Sie ist einfach wunderschön." Shakaar löste endlich seine Augen von dem Baby und sah hinauf in Odos Gesicht. "Darf ich -" Er streckte die Arme aus.

"Selbstverständlich, Premierminister." Odo übergab das Baby in Shakaars Arme, entschlossen, die plötzlichen, leisen Laute des Missfallens zu überhören, die V'lonn ausstieß. Shakaar nahm sie mit der Ungezwungenheit eines Bauern, eines Mannes, der es gewohnt ist, mit kleinen, hilflosen Lebewesen umzugehen. Während dessen stand Odo auf und ging zur Tür. "Ich muss gehen und das Runabout überprüfen - ich sollte eigentlich zur Station zurückkehren, denn Dr. Bashir wird hier auch mit einem Runabout ankommen, und dadurch gibt es auf der Station dann zu wenig, sollte ein Notfall auftreten. Ich weiß, dass es Dr. Bashir nichts ausmachen wird, sich darum zu kümmern, dass Major Kira zurückkommt - dass sie dorthin kommt, wohin sie möchte." Odo straffte seine hageren Schultern und verschwand ohne ein weiteres Wort.

"Wo ist denn der Doktor?" erkundigte sich Shakaar und blickte sich verwirrt um, während er den Sessel einnahm, den Odo gerade frei gemacht hatte.

"Wir hatten keinen", erwiderte Lupaza knapp. "Derjenige, der Ihr Baby entbunden hat, ist gerade zur Tür hinausgegangen."

"Sicherheitschef Odo?" Shakaar blickte ärgerlich in Richtung Tür. "Ich hatte ja keine Ahnung - es tut mir Leid, dass ich keine Gelegenheit hatte, ihm zu danken."

"Ich glaube nicht, dass er es für Sie getan hat", sagte Lupaza trocken. Sie blickte aufmerksam auf, als ein leises Murmeln aus Richtung Bett kam.

"Odo?" rief Kira leise.

"Er ist weg, Nerys. Er ist zur Station zurückgekehrt." Lupaza durchquerte den Raum und trat an Kiras Seite.

"Was?!" rief Kira aus und versuchte, sich aufzusetzen.

"Es ist schon gut, Nerys, ich bin ja hier." Shakaar setzte sich auf die Bettkante und hielt V'lonn behutsam in den Armen. Er wurde nicht gerade so empfangen, wie er es erhofft hatte.

"Du bist hier." Kira begrüßte ihn mit dem ganzen Enthusiasmus, den sie womöglich auch einem cardassianischen Gul entgegenbringen würde. "Was zum Teufel hast du zu Odo gesagt, dass er so auf und davon geht?"

"Nichts." Shakaar warf Kira einen verwirrten Blick zu. Kira blickte Lupaza scharf an.

"Hat er wirklich nicht", bestätigte Lupaza. "Odo zog einige - Schlussfolgerungen aus der politischen Situation und entschied, dass er gehen müsse."

"Würde mir hier vielleicht irgendjemand erzählen, was vor sich geht?" Shakaar blickte verwirrt von einer Frau zur anderen. "Warum macht ihr euch solche Sorgen um Odo?"

"Edon, hör gut zu, denn ich sage dir dies nur einmal." Kira hielt den Blick ihres früheren Geliebten mit ihren Augen gefangen. "Ich bin bereit, dies möglichst ohne Aufsehen zu deichseln - ich werde sogar behaupten, dass jemand anderes ihr Vater ist - aber ich werde dich keinesfalls heiraten, also spare deinen Atem."

"Nerys -" protestierte Shakaar. "Lass mich -"

"Du hast mich betrogen, Edon, und das, nachdem du mir deine Liebe erklärt hattest! Ich heirate niemanden, dem ich nicht hundertprozentig vertrauen kann. Außerdem liebe ich dich nicht mehr. Ich bin mir nicht einmal mehr sicher, ob ich es je getan habe."

"Nerys", sagte Shakaar langsam und holte tief Luft. "Was ist mit Bajor?"

"Was soll damit sein?"

"Möchtest du, dass Winn zum nächsten Premierministerin gewählt wird?"

Kira starrte Shakaar lange an. Schließlich sagte sie:

"Gib mir nur ja mein Baby und dann fahr zur Hölle, du Scheiß-Politiker."

Danach gab es nicht mehr viel zu sagen.

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Nachdem Odo sein Runabout sicher angedockt und seinen Bericht vor Captain Sisko abgegeben hatte, der sich weise sämtlicher überflüssiger Fragen enthielt angesichts des Ausdrucks in den Augen des Wechselbalges, fand er Ausreden, um jede halbe Stunde in der Krankenstation vorbeizuschauen, bis Bashir schließlich zurückkehrte. Als er ihn endlich antraf, begrüßte ihn der Doktor enthusiastisch und sagte:

"Gute Arbeit, Odo! Ich habe niemals ein Baby und seine Mutter gesehen, die eine solche Strapaze mit so wenig physischem Trauma überstanden hätten!"

"Wie geht es den beiden?" Odo blickte sich in der leeren Krankenstation um.

"Es geht ihnen gut - könnte gar nicht besser sein, besonders unter diesen Umständen. Sie sind noch auf Bajor."

"Oh. Ich verstehe", sagte Odo leise. Bashir fragte sich, was wohl den plötzlich deprimierten Ausdruck in den Augen des Wechselbalges verursacht haben könnte.

"Sie bleiben ein paar Tage bei Lupaza - ich glaube sowieso nicht, dass Kira jetzt schon reisen sollte - und dann gehen sie in das Kloster in T'Mar. Kira möchte offensichtlich einige Zeit mit dem Baby auf Bajor verbringen. Sie sagte etwas davon, einen dreimonatigen Urlaub zu nehmen."

"Drei Monate?!"

"Ja." Bashir musterte Odo neugierig. "Eines der ersten Dinge, die eine bajoranische Mutter normalerweise tut ist, sich für drei Monate mit ihrem Baby zurückzuziehen, um die Bindung zu stärken - das ist wirklich eine schöne Tradition. Ich glaube, der Vater ist für gewöhnlich auch in gewissem Maße mit einbezogen, obwohl das in diesem Fall wohl nicht in Frage kommt..." Bashir sparte sich weitere Ausführungen, als er die Miene sah, die das sonst ausdruckslose Gesicht des Wechselbalges zeigte. "Aber sie hat mich gebeten, Ihnen eine Botschaft zu übermitteln."

"Ja?" Odos Stimme war angespannt vor plötzlicher Hoffnung.

"Sie sagte, ich solle Ihnen nochmals danken und Sie fragen, ob Sie sie und die kleine V'lonn abholen und nach Hause bringen können nach der großen Jahreskonferenz der Sicherheitsbehörden, die in drei Monaten stattfindet. Sie sagte, sie wäre dann wieder bei Lupaza."

"Selbstverständlich", sagte Odo automatisch. "Ich werde ihr eine Subraum-Nachricht schicken, um ihr Bescheid zu geben." Odo drehte sich zur Tür um.

"Oh, und Constable -"

"Ja?" Odo schaute sich niedergeschlagen nach Bashir um.

"Sie hat gesagt, ich solle Sie von ihr grüßen - und Ihnen mitteilen, dass Sie beide noch etwas miteinander zu erledigen haben."

Bashir hätte nie gedacht, dass Odos nahtloses Gesicht als attraktiv gelten könne, aber jetzt war da ein plötzliches Aufleuchten in den blauen Augen, das ihm eine fremdartige Schönheit verlieh. "Ich danke Ihnen, Doktor", war alles, was Odo sagte - aber seine Miene sprach Bände. Bashir beobachtete ihn, als er zur Tür hinausging, und ein verwunderter Ausdruck huschte über das Gesicht des jungen Arztes.

"Kira und Constable Odo", murmelte Bashir. "Wer hätte das gedacht?"

Einer von Quarks Angestellten, der kam, um seine Ohrenschmerzen kurieren zu lassen, konnte sich nur wundern über das breite, zufriedene Lächeln des Doktors.

space

Wie es sich herausstellte, war es nach Ablauf der drei Monate einer von Odos Mitarbeitern, der - zusammen mit einer kurzen Botschaft von Odo -- zu Lupazas Hütte kam, um Kira und ihr Baby abzuholen.

Sicherheitsproblem - kann zur Zeit nicht weg. Treffe dich bei deiner Rückkehr.

Der Ton der Notiz hätte sie zum Frieren gebracht, wären da nicht einige Worte am Schluss gewesen auf Bajoranisch.

Nerys, l'hanya ti.

Nerys, ich liebe dich.

Lupaza sah zu, wie Kira herumwuselte, einige Dinge in letzter Minute in ihre Schultertasche stopfte und ihr Baby auf den Arm nahm.

"Also - wo ist er?" fragte Lupaza.

"Irgendein Notfall auf der Station." Kira küsste ihre Freundin auf die Wange. "Ich treffe ihn dort."

"Hmm..." sagte Lupaza gedankenvoll. "Da muss noch etwas anderes in dieser Notiz stehen, dass du diesen Ausdruck in den Augen hast."

Kira lächelte. "Das tut es auch."

"Darf ich es lesen?" Lupaza war noch nie für ihr Taktgefühl bekannt gewesen.

"Klar." Kira warf Lupaza das Padd zu. Lupaza las es und lächelte.

"Ein Mann weniger Worte, nicht wahr?"

"Das ist er", stimmte Kira zu. "Odo ist ein Mann der -Tat."

"Also, davon wirst du mir auch erzählen müssen."

"Sei unbesorgt, das werde ich - du musst nur warten, bis es etwas zu erzählen gibt."

Lupaza lächelte. "Die Propheten seien mit dir, Nerys."

"Die Propheten seien mit dir, Lupaza. Und vielen Dank - für alles." Nerys umarmte ihre Freundin mit einem Arm, und Lupaza pflanzte einen Kuss auf V'lonns Stirn.

"Die Propheten seien mit dir, meine Kleine."

Kira lief voller Energie die Stufen hinab und brachte die Strecke, die sie von der Rubicon trennte und dem Mitglied aus Odos Sicherheitsteam, das dort auf sie wartete, hinter sich. V'lonn war inzwischen das Maschinengewehrtempo ihrer Mutter gewohnt und hatte keine Einwände mehr gegen abrupte Bewegungen, sondern betrachtete die an ihr vorbeiziehende Welt mit weit geöffneten Augen.

Kira hielt an der Tür des Runabout inne, wandte sich zurück zu der Gestalt, die sie von der Türschwelle der Hütte aus beobachtete und rief auf Bajoranisch: "Mögen die Propheten mit uns sein!"

Das waren die ersten Worte der bajoranischen Hochzeitszeremonie.

Lupaza rief die korrekte Erwiderung.

"Obwohl sie euch viele verschiedene Wege führen, werdet ihr am Ende den Weg gemeinsam gehen."

Das Baby fest im Arm beanspruchte Kira Nerys ihren Anteil an der Zukunft mit energischer Zuversicht.

space

Es schien, als ob die Hälfte der Bewohner von DS 9 Kira erwarteten, als das Runabout andockte, mit Odo als einziger bemerkenswerter Ausnahme. Captain Sisko schnappte sich V'lonn Sekundenbruchteile nachdem der Eingang vom Andockring zur Seite gerollt war, und Dax zog Kira in eine Umarmung. Bashir und O'Brien folgten ihr auf dem Fuße, während Kira krampfhaft versuchte, nicht allzu offensichtlich über ihre Schultern in den Korridor hinter ihnen zu linsen. Dax jedoch bemerkte die Blicke und flüsterte in Kiras Ohr:

"Odo hat gesagt, er würde Sie später in Ihrem Quartier treffen, falls Sie nicht zu müde von der Reise sind." Die kleine Menge begann, sich auflösen, und Kira fiel in den Schritt ihrer Freundin ein, der es endlich gelungen war, das Baby Siskos Klauen zu entreißen.

"Jadzia - einige Ihrer Wirte hatten Kinder, nicht wahr?"

"In beiden Geschlechtern", stimmte Dax zu und machte leise, sinnlose Laute für V'lonn, der das offensichtlich gefiel.

"Meinen Sie, Sie könnten heute Abend für mich Babysitten?"

"Aber klar doch." Dax sah Kira fragend an. "An wie lange hatten Sie gedacht?"

"Wenn ich Glück habe, bis morgen früh."

"Ah so - Sie meinen 'Glück haben' in seiner traditionellen Bedeutung." Dax grinste angesichts Kiras erschrockener Miene. "Kann ich alles, was sie braucht, replizieren?"

"Ich sorge dafür, dass Sie das, was man nicht replizieren kann, von mir bekommen", Kira lächelte errötend. "Ich bin eine typische Bajoranerin - ich habe sehr viel mehr Probleme mit Überproduktion als mit Mangel in dem Bereich."

Dax grinste und übergab V'lonn endlich wieder ihrer Mutter. "Um wieviel Uhr?"

"Ich werde sie gegen 21 Uhr bei Ihnen vorbeibringen."

"Perfekt."

Getreu ihrem Wort erschien Kira mit V'lonn auf die Minute pünktlich in Dax' Quartier und beglückte sie mit einer gefüllten Tragetasche, jedoch mit wenig Anweisungen. Kira war es gewohnt, zu delegieren.

"Windeln, Milch - nicht repliziert - und zwei Garnituren Kleidung, " erklärte sie und stellte die Tasche auf den Tisch.

"Wie oft füttern?" erkundigte sich die praktisch veranlagte Dax.

"Also, ich habe sie gerade gestillt - Sie sollten genug da haben für drei Mahlzeiten, es sei denn, sie wird bei Ihnen besonders gierig." Kira zog eine Grimasse. "Seien Sie gewarnt - sie wird oft gierig."

"Hört sich an, als hätten Sie alles im Griff", beobachtete Dax.

"Ich werde mit allem fertig außer dem ersten Zähnchen."

"Autsch. Schon?"

Kira zuckte die Schultern. "Für ein bajoranisches Baby ganz durchschnittlich." Sie lehnte sich vor und knuddelte V'lonn kurz liebevoll, bevor sie sie in Dax' Arme legte. "Damit will ich aber nicht sagen, dass sie durchschnittlich ist."

"Erzählen Sie Benjamin nicht, dass ich das gesagt habe, aber Jake war in diesem Alter immer noch ein ganz schön dicklicher kleiner Wonneproppen. Ich glaube, bajoranische Säuglinge entwickeln sich schneller als menschliche, wenigstens während der ersten achtzehn Monate oder so. Ich will damit aber nicht sagen, dass V'lonn nicht etwas ganz Besonderes ist." Dax lachte, als V'lonn mit entschlossenen Babyfingern nach ihrer Nase griff.

"Hübsch und etwas Besonderes." Kira nahm die Hand ihrer Tochter und küsste sie. "Der Doktor auf Bajor hat tatsächlich gewagt, zu sagen, sie sei durchschnittlich, als wenn das eine Art von Leistung wäre. Nur weil sie es etwas eilig hatte, auf die Welt zu kommen..." Kira ließ widerstrebend die kleine Hand los. "Also, ich sollte jetzt besser gehen."

"Warum tragen Sie Uniform?" fragte Dax, während sie und V'lonn deren Mutter zur Tür begleiteten.

"Sie ist bequem. Außerdem habe ich sie vermisst - und ich passe endlich wieder hinein."

"Viel Glück, Nerys."

Kira lächelte verzerrt. "Danke."

Sie kehrte langsam in ihr Quartier zurück - es war schwieriger gewesen, ihre Tochter bei Dax zu lassen, als sie erwartet hatte, auch wenn Kira die Tatsache, dass sie noch nie in V'lonns kurzem Leben von ihr wirklich einmal getrennt gewesen war, einkalkuliert hatte. Sie war so daran gewöhnt, sie sicher auf eine Hüfte gestützt herumzutragen, dass ihre Arme sich jetzt sonderbar leer anfühlten - Kira schüttelte den Kopf und gab den Verschlusscode ein. Dann betrat sie ihr Quartier, sah sich um und überlegte, was sie wohl tun sollte, um für den erwarteten Besucher bereit zu sein. Irgendwie erschienen Kerzen und Champagner völlig deplaziert, insbesondere, wenn man bedachte, wann sie zuletzt solche Dinge dem Dekor ihres Quartiers hinzugefügt hatte - Kira setzte sich auf das Sofa, um darüber nachzudenken. Sie empfand einen plötzlichen, höchst unwillkommenen Anfall von Erschöpfung. Wenn sie sich vielleicht nur für eine Minute ein bisschen hinlegen würde...

Als Odo eine halbe Stunde später den Verschlusscode eingab, um sich hineinzulassen, fand er Kira tief schlafend vor. Sie lag zusammengerollt mit dem Rücken zur Tür und zum Licht.

"Computer", sagte er leise, "verringere das Licht auf zwanzig Prozent." Er setzte sich neben Kira auf die Sofakante und streckte sich nach einem Moment des Überlegens lang hinter ihr aus. Er schmiegte seine längeren Gliedmaßen an ihre und legte einen Arm um ihre Taille. Kira kuschelte sich an ihn, bevor eine leichte Anspannung in ihrem Körper Odo zeigte, dass sie erwachte.

"Odo?" fragte Kira leise.

"Ja." In seiner Stimme lag die winzigste Spur eines Lachens. "Erwartest du etwa sonst noch jemanden?"

"Nein." Kira berührte die Hand, die auf ihrer Taille lag und liebkoste sie sanft mit ihren Fingerspitzen. "Komisch - es fühlt sich an, als ob wir so schon früher dagelegen hätten."

"Ja - nur die Armlehne war breiter." Odo schmiegte sein Gesicht in Kiras Nacken und küsste ihn sanft. Kira stieß einen langen Seufzer aus und zog seine Hand an ihrem Körper empor, so dass sie ihre Brust umschloss. Sie fühlte sich plötzlich schwach und schwindelig, und ihr Magen zog sich vor köstlicher Spannung zusammen. Sie zuckte zusammen und errötete, als ihre Milch einschoss und sich feuchte Flecken auf ihrem Uniformoberteil bildeten.

"Das tut mir Leid", wisperte sie. Odo lachte leise auf.

"Das ist nichts im Vergleich dazu, wie flüssig ich werden könnte."

Kira lachte und drehte sich endlich zu ihm um. Odos hellblaue Augen funkelten in dem schwachen Licht wie terranische Mondsteine.

"Daran hatte ich eigentlich nicht ganz gedacht", gestand sie. Sie zog in einem winzigen Keuchen die Luft ein, als Odos Mund sich auf ihren senkte, und ihre Lippen öffneten sich hungrig. Sie zwang sich dazu, sich zurückzuhalten und Odo das Tempo vorgeben zu lassen, während er -- letztendlich wirklich zum allerersten Mal -- die Welt des Küssens erforschte. Sein Zögern war verlockend und brachte sie fast zum Wahnsinn - als seine Zunge endlich von ihrem Mund wegglitt, dachte sie für einen kurzen Moment, dass die Küsse allein schon genug wären, um ihrem Körper die Erlösung zu bringen, die er verzweifelt herbeisehnte. Sie wollte ohne weiteres Vorspiel ihre Kleider loswerden, Odos Hüften ergreifen und ihn zwischen ihre Schenkel ziehen - sie stöhnte leicht, als er sich von ihr zurückzog und seine Finger sich auf ihr Uniformoberteil legten dort, wo es ihr Schlüsselbein bedeckte.

"Darf ich?" flüsterte er. Kira nickte wortlos, atemlos und passte ihren Körper Odos Bewegungen an, während er behutsam das Uniformoberteil öffnete, es von ihren Schultern wegzog und auf den Boden fallen ließ. Die Schichten darunter folgten in langsamer, würdevoller Ordnung - Kira hielt den Atem an, als sie schließlich die Luft an ihren nackten Brüsten spürte, und sie fand sich damit ab, dass unaufhörlich Milch aus ihren Brustwarzen tropfte. Odo hingegen schien von diesem unerwarteten flüssigen Aspekt sogar fasziniert zu sein - seine Fingerspitze umfuhr den Umriss jeder Brustwarze nacheinander. Dann ließ er seine Hand sich wandeln, formte sie genau Kiras linker Brust nach und bewegte sie an ihr wie ein zärtlicher, hungriger Mund. Kira stieß einen winzigen Seufzer aus, als sie spürte, wie ihre Milch nun wirklich nur so floss, in Odos Substanz rann und dort irgendwie aufgesogen wurde - ihre andere Brust tat dasselbe, als Odo sie mit seiner freien Hand umschloss und seinen suchenden Mund wieder mit ihrem vereinigte. Endlich ließ er seine Hände ihre Flanken hinabstreichen. Er fuhr mit den Fingern in ihren Hosenbund und streifte die Hose von ihren Hüften, ihren Beinen - Kira schrie fast auf, als sie fühlte, wie Odos untere Körperhälfte flüssig wurde und seine Substanz sich über sie und in die feuchten Tiefen ihres Körpers hinein ergoss.

Er floss in sie wie Wasser, wie Blut, wie Licht... er war wie eine Welle am Strand, die sich erst hob und dann am Fels ihrer Leidenschaft brach. Kira keuchte, klammerte sich an Odos Schultern, wo die Überreste seiner geformten Uniform unter ihren Händen schmolzen - er bestand nur aus blauen Augen und glatter Haut - glatter Haut und erhitzter Substanz - er war ihr Herzschlag, ihr rasselnder Atem, das klopfende Pulsieren zwischen ihren Schenkeln. Er war Existenz, ursprünglich und rein, so fundamental wie die Brühe, aus der ihre Vorfahren irgendwann einmal in grauer Vorzeit hervorgekrochen waren, um den Tanz des Daseins zu erlernen. Er war der Atem der Propheten, heiß auf ihrem Fleisch - er war die Liebe. Er war das Leben.

Kira schrie auf, als ihr Höhepunkt sie schüttelte wie ein Blatt im Wind, das flog und flog, bis sie fast darum flehte, dass es fallen würde, dass der Ast brechen würde - dass die fast unerträgliche Ekstase enden würde. Tränen regneten ihre Wangen hinab, so warm und flüssig wie die Milch, die immer noch aus ihren Brüsten tropfte, so salzig wie die Flüssigkeit, die zwischen ihren gespreizten Schenkeln hervorrann, um sich mit der gelförmigen Wärme zu vermischen, die sie liebkoste. Plötzlich schrie Odo auf, und die Überreste seiner festen Gestalt schmolzen, um sie in fast sengende Hitze zu tauchen.

Kira lag still da. Sie fühlte sich wie betäubt und ließ ihre Hände ziellos durch die Substanz fahren, die sie bedeckte. Schließlich begann Odo, sich wieder in seine humanoide Form zu wandeln, und dann lag er erschöpft in ihren Armen.

"Nerys," flüsterte er, "l'hanya ti. " Hinter seinen Worten lag eine ganze, noch nicht erforschte Welt.

"Odo", erwiderte sie leise, "l'hanya ti du, meytahl. "

Odo stütze sich auf einen Ellbogen und gab Kira einen langen, zärtlichen Kuss. Er nahm ihre Unterlippe behutsam zwischen seine Zähne, bevor er fortfuhr, die Tiefen ihres Mundes mit seiner Zunge zu erforschen. Kira reagierte sowohl zärtlich als auch leidenschaftlich. Dabei dachte sie, dass Odo so gekonnt die Reaktionen ihres hungrigen Mundes erwiderte, als hätte er sie schon sein ganzes Leben lang geküsst. Schließlich löste er sich mit einem kleinen, schüchternen Lächeln auf dem Gesicht von ihr.

"War das so in Ordnung?" wisperte er.

Kiras Augen weiteten sich vor Erstaunen über die Frage. Dann stieß sie ein leises, belustigtes Lachen aus. "Das war - wundervoll. Außergewöhnlich."

"Bist du sicher?"

"Odo, ich könnte - in dich hineinkriechen und dort in alle Ewigkeiten glücklich leben. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass Sex - dass sich zu lieben so sein könnte."

"Das hätte ich auch nicht", gestand Odo. Er blickte suchend in Kiras Gesicht, als wenn er sich jedes Detail einprägen wollte. "Sie sagte, du könntest mich niemals lieben."

"Wer hat das gesagt?" Kira runzelte die Stirn.

"Die Anführerin der Gründer. Als sie deine Gestalt angenommen hatte auf diesem Mond in den Badlands - da sagte sie mir, dass du mich niemals würdest lieben können - weil ich ein Wechselbalg bin."

"Also das ist dort passiert... Blöde Gründerin," beobachtete Kira. Sie machte eine Pause. "Ich habe den Verdacht, dass es noch vieles gibt, das du mir über den Vorfall nicht erzählt hast."

"Höchstwahrscheinlich." Odo seufzte leise und streckte eine Hand aus, um Kira das Haar aus der Stirn zu streichen. Kira musterte ihrerseits lächelnd sein Gesicht.

"Dein Haar ist durcheinander", kommentierte sie. "Ich habe nie zuvor gesehen, dass dein Haar durcheinander war - lass es so!" fügte sie hastig hinzu. "Ich mag es so."

"In Ordnung." Odo lachte leise auf. "Ich sag' dir was - du kannst mein Haar durcheinander bringen, wann immer du es willst."

"Ich könnte sogar darauf zurückkommen, Constable." Kira lachte vor Verwunderung. "Wie ist es bloß gekommen, dass ich dich so liebe?"

"Nähe", sagte Odo ernst. Auf Kiras fragendes Lächeln hin erklärte er: "Es musste irgendwann auf dich abfärben."

"Du liebst mich schon seit langem, nicht wahr?"

"Seit einer Weile", pflichtete Odo bei. "aber nicht lange genug."

"Nicht annähernd lange genug", stimmte Kira zu. Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände und küsste ihn. Dann sagte sie auflachend: "Nicht auszudenken, ich musste erst schwanger werden - und noch von jemand anderem - um herauszubekommen, wen ich wirklich liebe!"

"Da wir gerade von schwanger werden sprechen - wo ist V'lonn? Schläft sie?"

"Hoffentlich. Sie ist bei Dax."

"Kommt sie bald zurück?" fragte Odo besorgt. "Ich - ich habe mich darauf gefreut, sie zu sehen."

"Ich hatte vor, sie für diese Nacht bei Jadzia zu lassen - aber ich glaube, wir können sie hierher bringen lassen, wann immer wir wollen." Kira küsste Odos Schulter. "Du liebst sie auch, nicht wahr?"

"Ja, das tue ich", versicherte Odo ihr, und sein Gesichtsausdruck war sanfter, als Kira je gesehen hatte. "Du hattest Recht - ich habe das Gefühl, sie wäre mein Kind."

"Es tut mir Leid - ich hätte nicht so lange auf Bajor bleiben sollen - ich wollte nur einige Dinge überdenken - es ist eben so Tradition - und ich wollte, bevor ich zurückkam bereit sein - dich zu lieben. Und ich musste zunächst einmal etwas heile werden."

"Von Shakaar?" fragte Odo leise

"Shakaar? Nein, von V'lonn!" Kira lachte. "Bist du bei deiner Lektüre so weit nicht gekommen?" neckte sie.

"Es war ein Kapitel, von dem ich annahm, dass ich es nicht würde lernen müssen", gestand Odo. Die letzten Überreste von Anspannung wichen aus seinem Gesicht und ließen es vor sanftem Strahlen aufleuchten. Kira hielt die Luft an und legte eine Hand an Odos Wange.

"Du bist so - wunderschön", wisperte sie. Odo lachte und rollte skeptisch die Augen. "Es ist wahr", beharrte Kira. "Das bist du."

Odo schüttelte den Kopf. "Das Auge des Betrachters", räumte er ein. "Im Moment ist das, was ich betrachten möchte -" er machte eine Pause "-unsere Tochter."

"In Ordnung." Kira nahm Odos Hand, küsste sie und hielt sie kurz an ihr Herz. "Lass mich nur etwas anziehen, dann rufe ich Dax." Sie schlüpfte unter Odo hervor, während er sich langsam aufsetzte und sich in seine gewohnte, ordentliche, uniformierte Erscheinung wandelte. Kira lächelte und hielt inne. Sie stand neben dem Sofa. Ihr Körper wirkte blass im schwachen Licht. "Wir müssen auch an einem Aussehen für dich arbeiten für die Freizeit, für das Herumlungern in unserem Quartier, weißt du."

"Ich fange sofort damit an", versicherte Odo ihr. Trotzdem war er immer noch in Uniform, als Kira zurückkehrte und den Gürtel ihres rostfarbenen Bademantels in der Taille zusammenknotete. Kira grinste ihn an, bevor sie ihr Uniformoberteil vom Boden aufhob und die Kombrosche abnahm.

"Kira an Dax."

"Kira! Gott sei Dank!" kam Dax' gestresst klingende Antwort. Man konnte V'lonn im Hintergrund laut jammern hören. Kira und Odo tauschte erschrockene Blicke aus.

"Dax, was ist los?"

"Ist das Baby krank?" flüsterte Odo.

Kira schüttelte horchend den Kopf "Hungrig - und eingeschnappt", erklärte sie. "Dax, woran liegt es? Hat sie die Milch, die ich mitgegeben hatte, schon aufgetrunken?"

"Kira - haben Sie diesem Baby wirklich jemals die Flasche gegeben?"

"Nein - dazu bestand kein Anlass. Wieso?"

"Weil sie keine Flasche nimmt! Ich habe alles versucht - und sie will sie einfach nicht nehmen! Ich habe sogar Julian herübergeholt, damit er hilft - nichts!"

"Ich fürchte, es stimmt", kam Bashirs Stimme aus dem Hintergrund. "Manche Babys weigern sich einfach, einen Ersatz zu akzeptieren." Er lachte müde auf. "Ich schätze, ich kann es ihr nicht verübeln."

"Vielen Dank, Julian", sagte Dax trocken. "Nerys, es tut mir Leid, aber -"

"Ich habe mich nur gemeldet, um zu sehen, ob es Ihnen etwas ausmachen würde, sie in mein Quartier zu bringen. Ich würde ja zu Ihnen kommen, um sie zu holen, aber - ich bin dafür gerade nicht angezogen."

"Ich bin sofort da. Dax Ende."

Die Entfernung zwischen Dax' und Kiras Quartier war noch niemals so schnell zurückgelegt worden. Dax trug das schreiende Baby und deponierte es in Kiras Armen, während Bashir die Nachhut bildete, indem er die Tasche schleppte.

"Du liebe Güte", gurrte Kira leise und hielt ihre Tochter an sich gedrückt. V'lonn hörte auf zu weinen, rieb ihr Gesicht entschlossen an Kiras Oberkörper und drehte irritiert das Köpfchen hin und her angesichts des Stoffes, der Kiras Brüste bedeckte. Kira lachte errötend.

"Wenn Sie mich entschuldigen würden..." Sie drehte sich um und trug V'lonn in Richtung Schlafzimmer. Während sie ging, schob sie ihren Mantel zur Seite. Odo nahm die Tasche, die Bashir ihm hinhielt.

"Danke, dass Sie auf sie aufgepasst haben..." sagte er ruhig. "Wir werden an der Sache mit der Flasche noch ein bisschen arbeiten."

"Sie wird sich vermutlich daran gewöhnen, wenn Nerys sie ihr als Erste gibt - der Geruch und das alles, " erklärte der Doktor. "Ich bin sicher, es wird alles gut gehen, wenn Dax das nächste Mal auf sie aufpasst, wenn Sie und Nerys allein sein wollen."

Dax starrte Bashir entsetzt an, woraufhin er ihr einen undeutbaren Blick zuwarf. Odo zeigte mehr Mitleid, indem er sagte: "Ich glaube nicht, dass das so bald passieren wird." Er lächelte. "Ich glaube, dass Nerys und ich soviel Zeit mit ihr werden verbringen wollen wie möglich."

"Na dann, gute Nacht. Constable, " murmelte Bashir lächelnd. Dax' Worte kamen als Echo, und sie folgte ihm aus der Tür hinaus. Ihr Blick verriet, dass sie die Mutterschaft für eine unglückliche Verirrung hielt, die nie zu wiederholen sie beabsichtigte. Odo ging leise lachend ins Schlafzimmer.

Kira hatte den Bademantel ausgezogen und lag auf dem Bett. V'lonn bearbeitete ihre Brust mit hungriger Entschlossenheit. Odo durchquerte den Raum und setzte sich neben sie auf den Bettrand. Einen Finger streckte er aus, um sanft den Hinterkopf des Babys zu berühren.

"Sie ist halb verhungert!" rief Kira schuldbewusst aus. "Ich hatte keine Ahnung, dass sie nicht aus der Flasche trinken würde - es war ja nicht so, als hätte ich versucht, die Milch darin zu replizieren."

"Es scheint, als ob sie sich ihre Entschädigung schon holt", beobachtete Odo. Die warme, zärtliche Intimität des Anblicks Kiras, die ihre Tochter stillte, überwältigte ihn noch immer. Odo fragte sich kurz, ob er wohl jemals das Dazugehörigkeitsgefühl, das Heimatgefühl und die Bedeutung des Wortes Heimat für jemanden, der den größten Teil seines Lebens in einem Labor verbracht und in einem Eimer im Abstellraum seines Büros 'geschlafen' hatte würde erklären können. Er fuhr auf, als V'lonn einen kleinen, unzufriedenen Laut ausstieß. Kira schenkte ihm ein kurzes, beruhigendes Lächeln, während sie das Baby in ihren Armen umlagerte und den unersättlichen Mund an ihre andere Brustwarze dirigierte.

"Macht sie das oft?" fragte Odo leise.

"Von einer Brust zur anderen gehen? Immer." Kira lächelte und pflanzte einen Kuss auf den Kopf ihrer Tochter. "Es ist eigentlich nicht so, dass sie wirklich - wirklich eine Seite leer macht, aber sie hasst es nur, wenn sie sich richtig anstrengen muss. Sie ist einfach ein bisschen faul - die Propheten mögen wissen, woher sie das hat. Sicher nicht von mir - und auch nicht von -" Kira hielt abrupt inne, und ihr Lächeln verblasste.

"Nicht von Shakaar, ich weiß schon." Odo streckte unwillkürlich eine Hand aus und strich mit ihr besänftigend über Kiras Oberarm.

"Schon bloß der Gedanken an ihn - macht mich so ärgerlich", wisperte Kira. "Wir waren einmal so gute Freunde - und was ist passiert? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie nur - nur mit jemandem zu schlafen letztlich zu - so vielen nicht in Erfüllung gegangenen Erwartungen führen - und so viel Schaden anrichten kann."

"Es ging nicht nur um das zusammen Schlafen, sondern um den Vertrauensbruch, " bemerkte Odo. "Außerdem, nur mit jemandem zu schlafen hat auch dies hier erschaffen." Er legte seine Hand um V'lonns Hinterkopf.

"Sie liebt es, wenn du sie berührst", sagte Kira leise. Odo starrte sie neugierig an.

"Woher weißt du das?"

"Ich spüre das einfach." Kira zuckte die Achseln. "Es mag sein, dass sie diese Spur von - etwas Flüssigem im Innern fühlt. Vielleicht erinnert es sie an die Zeit, als sie noch in mir war."

Sie saßen in freundschaftlichem Schweigen beieinander, während V'lonn ihre Mahlzeit beendete und endlich einschlief. Ihr Mund war immer noch an der Brust ihrer Mutter festgesaugt. Kira zog sanft ihre Brustwarze aus dem Mund des Babys. Dann stand sie auf und trug es quer durch den Raum zu der Anti-Grav-Wiege, die zu besorgen ihr in einem vagen Versuch, ein Nest zu bauen, gelungen war. Odo folgte ihr auf dem Fuß, und beide standen mit ineinander verschränkten Armen da und schauten auf den gesättigten, schlafenden Säugling herab.

"Bei den Propheten", flüsterte Odo, "sie schnarcht ja."

"Ein bisschen", stimmte Kira lächelnd zu. Sie drehte sich um, zog Odo in ihre Arme und gab ihm einen langen, gefühlvollen Kuss. "Wir haben vielleicht vier Stunden, bevor sie wieder wach wird", wisperte sie. "Lass sie uns voll ausnutzen."

"Wie immer du meinst." Odo hob Kira hoch und trug sie zum Bett. Wieder stellte er unter Beweis, dass ihre Leidenschaft ihm gehörte, so wie ihre Zuneigung schon lange ihm gehört hatte, und er ließ sie ihren Anspruch auf ihn erneuern. Sie war seine Geliebte. Sein Herz. Er würde sich nie wieder gänzlich allein fühlen, und dieser Gedanke bereitete ihm nichts als pure Freude.

Seine Heimat.

-- Ende --


Anmerkung der Übersetzerin: Ich bin Amateurin, habe alles "nur aus Liebe getan", Urteil an Sugambra@msn.com


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